Audio Audio/Peripherie Gaming Grundlagenartikel Headsets Kopfhörer Praxis Sound System Soundkarten Testberichte

Nachteile des Onboard-Sounds, Probleme, Workarounds, externe und interne Lösungen, Kopfhörer-Ratgeber und Grundlagen | 2022

Man findet den 2020 gelaunchten Realtek ALC4080 als Soundlösung mittlerweile auf sehr vielen neuen Intel-Boards der Mittel- und Oberklasse und zwar ohne, dass der Kunde wirklich weiß, was eigentlich dahinter steckt. Genau das möchte ich heute gern ändern und habe mir mal hintenrum ein passendes Datenblatt eines Mainboard-Entwicklers besorgt. Der ALC4080 bricht nämlich mit der langen Tradition der direkten Anbindung an den SoC über ein bi-linguales Interface (HD-A oder I2S/I2C) und nutzt stattdessen USB. Ja, Ihr habt richtig gelesen, der Chip wandert mit dem Anschluss von der CPU zum Chipset. Ob man das jetzt schön finden muss, sei mal dahingestellt, aber es ist praktikabel.

 

Und nein, der ALC4080 ist eben NICHT der Nachfolger des ALC1220, wie man es in vielen Medien lesen konnte, sondern eine komplett neue Chip-Klasse mit einer grundlegend anderen technischen Lösung und Anbindung. Um das einmal mal zu veranschaulichen, betrachten wir einfach die beiden Blockdiagramme. Links sehen wir den ALC1220 mit dem bi-lingualen Interface und rechts den USB-basierten, neuen ALC4080, der sich überall flexibel anflanschen lässt:

Der ALC4080 im Detail

Der ALC4080 ist ein Ein-Chip-Mehrkanal-USB-Audio-Codec, der einen USB 2.0-Controller mit einem Hochleistungs-Audio-Codec einbettet. Für die USB-Audiofunktion unterstützt er ein Standard-USB-Audiogerät mit HID-Klasse, das für PC-Motherboards und Mehrkanal-Audiosysteme/-geräte in allen wichtigen kommerziellen Betriebssystemen entwickelt wurde, z. B. Windows, Linux, iOS, macOS und Android. Er bietet zehn DAC-Kanäle, die gleichzeitig eine 7.1-Kanal-Wiedergabe unterstützen, sowie zwei Kanäle mit unabhängigem Stereoausgang (Mehrfach-Streaming) über den Stereoausgang an der Vorderseite mit einem Signal-Rausch-Verhältnis (SNR) von bis zu 120 dB für die Wiedergabe von PCM-Streams.

Der ALC4080 verfügt außerdem über einen Direct-Stream-Digital (DSD)-Decoder, mit dem der Anwender hochwertige DSD-Stream-Inhalte genießen und seinen eigenen DSD-Stream mit minimalem Qualitätsverlust durch DA-Wandler erstellen kann. Insgesamt drei Stereo-ADCs sind integriert und können mehrere analoge Audioeingänge unterstützen, einschließlich eines 110dB SNR-Stereo-Line-Level-Eingangs und eines Mikrofonarrays mit den Software-Features Acoustic Echo Cancellation (AEC), Beam Forming (BF), Noise Suppression (NS) und Far Field Voice Pick up (FFP).

Alle analogen Ein- und Ausgänge sind ein- und ausgabefähig und können nach Benutzerdefinitionen neu belegt werden. An den analogen Ausgangsports (Port-D/Port-E/Port-F) sind drei Kopfhörerverstärker integriert. Der Kopfhörerverstärker an Port-D (FRONT) ist ein cap-free-Typ, der einen externen Koppelkondensator einsparen kann und weniger Verzerrungen und Knackeffekte bietet. Dieser Kopfhörerverstärker an Port-D hat einen Ausgangspegel von 2 Vrms und kann Kopfhörer mit hoher Impedanz (bis zu 600Ω) betreiben; außerdem verfügt er über eine Impedanzerkennungsfunktion zur automatischen Anpassung der Ausgangslautstärke mit dem von Musikern und Spielern bevorzugten hervorragenden Klangverhalten.

Die Unterstützung des 16/20/24-Bit-SPDIF-Ausgangs mit einer Abtastrate von bis zu 192 kHz ermöglicht den einfachen Anschluss von PCs an HDMI-Sender (High Definition Media Interface) oder an Produkte der Unterhaltungselektronik wie Digitaldecoder und A/V-Receiver.

Zusammenfassung vom Hersteller

Der ALC4080 ist ein Hochgeschwindigkeits-Hochleistungs-Audiocodec nach USB 2.0-Standard für USB Typ-C-Mehrkanal- (Ture 7.1-Kanal) Gaming-Kopfhörer/Headset- und Audioadapter-Anwendungen. Mit Software-Dienstprogrammen wie Umgebungsgeräusch-Emulation, Mehrband- und unabhängigem Software-Equalizer, Dynamikbereich-Kompressor und -Expander, optionalen Software-Funktionen von Drittanbietern wie Dolby, DTS, Waves und Fortemedia sowie Creative Host Audio bietet der ALC4080 höchste Klangqualität und sorgt so für ein hervorragendes Unterhaltungspaket und Spielerlebnis für PC-Benutzer.

Die Unterschiede zum ALC1220

Der ALC1220-VB ist ebenfalls ein SoC und ein High Fidelity Mehrkanal-Audio-Codec mit bi-lingualer Schnittstelle, der High Definition Audio 1.0a und den Industriestandard I2S und I2C unterstützt. Der ALC1220-VB bietet ebenfalls DRM, 10 DAC-Kanäle sowie zwei Kanäle fürs Mehrfach-Streaming. Der Rauschspannungsabstand (SNR) am Front-Panel beträgt ebenfalls bis zu 120 dB. Es sind zudem genauso drei Stereo-ADCs integriert und der Line-In bietet bis zu 110 dB SNR, wie auch der ALC4o80.

Und was ist nun anders? Die technischen Parameter ähneln sich nämlich auffällig und es ist auch kein Unterschied hörbar. Zumindest nicht bei einer ersten Blindverkostung mit einem Beyerdynamic T5 am Port D. Auch das ist eine wichtige Erkenntnis. Wem der ALC1220 bisher gereicht hat, der wird auch den ALC4080 mögen, ansonsten steht das gleiche Problem im Raum. Klanglich ist es also kein Fortschritt, sondern nur eine Anpassung bei der Anbindung des Chips. Schnittstellen-Kino, statt Evolution beim Klang.

Und was den Kondensator-freien Port D betrifft: Jetzt wisst Ihr übrigens auch, warum ich bei den Boards immer darauf hinweise, das Headset unbedingt am Front-Panel anzuschließen, wenn nicht der Hersteller am I/O-Shield eine fette Klinkenbuchse für den „speziellen“ Audio-Ausgang vorgesehen hat! Per Default beschaltet man den Port D immer über HD-Audio und damit über das Front-Panel. Wem das zu leise ist, einfach mal hinten testen. Ein Ausgang geht eigentlich immer mit den 2 Volt und der automatischen Impedanzerkennung.

Generell gilt jedoch, dass die drei (Kopfhörer-) Verstärker für den Output den I/O-Shield und den Front-Header fürs HD-Auto IMMER getrennt arbeiten, wobei der Port-D stets der mit dem meisten Bums ist. Naja, sein sollte. Ich hatte aber auch schon Boards in der Hand, wo genau das beim ALC1220 falsch beschaltet war und Port-D unverständlicherweise ungenutzt blieb. Das ist dann die Schuld des Motherboardherstellers und nicht von Realtek.

Auch der „neue“ ALC4080 ist besser als der übliche Onboard-Ruf, besitzt allerdings auch einige deutliche Nachteile. Der Codec selbst geht absolut in Ordnung und man wird bei einem Blind-Test mit empfindlichen niederohmigen Kopfhörern maximal ein leichtes Grundrauschen feststellen können, das aber auch stark von der Außenbeschaltung und dem gewählten Gain abhängt. Ansonsten ist es eine anders angebundene, dem ALC1220 sehr ähnliche Lösung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Lade neue Kommentare

DrWandel

Mitglied

41 Kommentare 38 Likes

Danke für die ausführlichen Informationen!

Ich muss jedoch sagen, dass für meine Zwecke (vor allem Spielen und Hintergrundmusik) der Realtek ALC892 auf meinem X370-Board (MSI) völlig ausreicht. Brummen, Zirpen und ähnliche Effekte habe ich kaum wahrnehmbar. Sicher, das ist bestimmt keine HiFi, aber für mich gut genug. Vielleicht habe ich auch einfach nur Glück, aber auch über Kopfhörer ist der Sound recht ordentlich, obwohl ich meistens lieber meine uralten (ca. 30 Jahre) Sony-Aktivboxen verwende.

Antwort Gefällt mir

Igor Wallossek

Format©

6,840 Kommentare 11,141 Likes

Kaum ist nicht nicht ;)

Je potenter die Grafikkarte, umso mehr Grillen muss man zertreten :D

Antwort 1 Like

ipat66

Veteran

380 Kommentare 325 Likes

Es lässt sich erahnen,warum wir länger auf diesen Artikel warten mussten.
Sehr informativ.
Da hat man noch für später was zu lesen !

Freue mich schon auf Teil 2...:)
Danke Igor

Antwort Gefällt mir

ssj3rd

Mitglied

81 Kommentare 30 Likes

Hatte auch extreme Störgeräusche mit meiner On-Board Karte aber auch mit meiner intern verbauten Soundblaster AE9. Lustigerweise aber immer erst dann, sobald ich ein Spiel gestartet habe.
Nach vielen vielen testen und Herumprobieren mit (teils sehr teuren) abgeschirmten Cinch+Strom Kabeln hat schlussendlich ein kleines 10€ Wunder-Kästchen Ruhe im Karton verschafft: (der ja auch im Artikel erwähnt wird)
https://www.amazon.de/dp/B076JGVJGP...t_i_MBY9S0CEJQR0XDFXMYNC?_encoding=UTF8&psc=1
Da ich halt 5.1 habe musste ich natürlich 3 Stück davon abbringen, aber seitdem ist absolut Ruhe im Karton.
Da ich auch öfters beim Autoradio mal ein knistern hatte habe ich es auch dort angebracht, auch dort kein knistern mehr, nix.

Ist für mich echt ein kleines Zauber Kästchen 🙏

PS:
Übrigens hat bei mir eine externe Soundkarte über USB die exakt gleichen Störgeräusche auf den Boxen verursacht wie die interne. In die gleiche Steckdose stecken hat auch nicht geholfen, was genau ist den eine symmetrische Verkabelung von der hier im Artikel gesprochen wird?

Antwort Gefällt mir

Klicke zum Ausklappem
Igor Wallossek

Format©

6,840 Kommentare 11,141 Likes

Dafür gibts ja den Goldfisch aus dem Oehlbach, der schnappt dann beim USB nach Luft :p

BTW: den Feintech habe ich ja im Artikel :D

View image at the forums

Antwort Gefällt mir

ssj3rd

Mitglied

81 Kommentare 30 Likes

Damit ist was genau gemeint?

Antwort Gefällt mir

Igor Wallossek

Format©

6,840 Kommentare 11,141 Likes

Ertappt! Du hast den Artikel nicht gelesen :p

Seite 3:

Dein Feintech steht übrigens auf Seite 2 ;)

Antwort Gefällt mir

Klicke zum Ausklappem
Ghoster52

Veteran

478 Kommentare 282 Likes

Vielen Dank Igor! (y)
Zur AE-5 sei noch gesagt, den Stromanschluss benötigt man nur für den ARGB (scheiß) Streifen.
So ist es jedenfalls bei der NonPlus.

Antwort Gefällt mir

Igor Wallossek

Format©

6,840 Kommentare 11,141 Likes

Ich habe hier die AE-9 auch gerade ohne PCIe am Laufen ;)
Allerdings braucht der externe Kasten leider den 6-Pin

Antwort Gefällt mir

S
SpiritWolf448

Mitglied

91 Kommentare 14 Likes

Schöner Artikel, Igor, der wie üblich Lust auf mehr macht. :)

Ich hier habe eine externe SoundBlasterX G6 in Gebrauch, gekoppelt an einen SwissSonic HAD-1 Kopfhörer-DAC von Thomann (via TOSLink). Damit befeuere ich meine Beyerdynamic DT990 (250 Ohm Variante). Ich bin kein Audiophiler, von daher kann ich sagen, das ich mit der Kombo sehr zufrieden bin. (Unter Windows. Linux benutze ich nicht, daher kann ich dazu nichts sagen.)

Antwort Gefällt mir

Igor Wallossek

Format©

6,840 Kommentare 11,141 Likes

Die G6 ist drin so ähnlich wie die X4 ;)

Antwort 1 Like

c
cunhell

Veteran

144 Kommentare 125 Likes

Ich habe noch zwei SB X-Fi Titanium PCIe. eine davon an einer analogen 5.1 Anlage. Klingt einfach gut. Zumindest beim Zocken und für meine Ohren ;)
Ich bin auf den Test der AE-9 sehr gespannt. Meine beste Freundin wollte die unbedingt im Rechner haben und hat sie sich besorgt.
Ihr Rechner ist seh schön aufgeräumt was das Kabelmanagement angeht, aber dadurch die Hölle, wenn man ein weiteres PCIe Kabel anstecken will/muss. Viele Flüche später hat es dann geklappt. Soviel zu dem Thema, kannst du mal schnell meine Soundkarte einbauen. :)

Cunhell

Antwort Gefällt mir

Igor Wallossek

Format©

6,840 Kommentare 11,141 Likes

Tipp:
Es gibt so windige PCIe zu Molex-Adapter, die man bei Grafikkarten ja nicht nehmen sollte. Aber hierfür geht das bestens! :D

Antwort Gefällt mir

Ghoster52

Veteran

478 Kommentare 282 Likes

Das letzte was noch unter Linux anstandslos lief, war die Audigy2 & X-Fi.
Die Audigy4 & Z wurden zwar noch erkannt (aber kein Sound), weiß nicht ob es jetzt besser ist, Creative verweigert sich den Linux-Support. (n)

Ich hatte zuletzt (bis 2021) eine [email protected] SoKa im Linux-PC, schon sehr sehr alt aber dennoch sehr gut, nur leider kein KH-Ausgang.

PS: der "Realtek ALC1220" (Asrock Taichi RE / B550 & X570) läuft aktuell auf alle 3 Betriebssysteme ohne Fehler (Fehlfunktionen)
Win 10/11, Mint 19.3 und MX-Linux 21.
Der RME Adi 2 Pro AE hatte unter Mint leichte Stumm- und Umschalt-Knackser, wenn über USB angesteuert.
Schon fast unscheinbar, der kleine xDuoo X3 II DAP (32 [email protected]), läuft auch auf allen Systemen ohne Treiber als USB-DAC (KHV).
Schade, die xDuoo DAPs sind seit der Chip-Krise nicht mehr lieferbar....

PPS: die AE-9 war für (alle meine) KH mit das Beste, was ich je im PC verbaut hatte,
nur lief die letztes Jahr noch nicht absturzsicher (lag es am X570 oder AMDs AGESA Version ???)

Nachtrag: Obwohl dem Sabber-DAC bei Asrock noch ein paar NE-5532 spendiert wurden, verhungern auch meine "guten" Kopfhörer
am "OnBoard-Soundchip" (D5000 25Ohm @106db, Oppo PM2+3 unter 50 Ohm @ 102db und auch ein günstiger OneOdio Pro50
32Ohm @ 110db, nur als Beispiele). Für genussvollen Sound ist KHV Pflicht, über DAC-Klang möchte ich mich nicht auslassen... :LOL:

Antwort Gefällt mir

Klicke zum Ausklappem
c
cunhell

Veteran

144 Kommentare 125 Likes

Ich wusste ja nicht mal, dass die Karte den PCIe-Anschluss hat und unter der Netzteilabdeckung war so wenig Platz, dass ich mir fast die Finger gebrochen habe. Und es wären eh nur SATA-Stromanschlüsse vorhanden gewesen. Molex hätte ich genauso reinfummeln müssen :)
Aber sie ist nun glücklich und das ist doch das wichtigste. Und ich hab was gut ;)

Cunhell

Antwort Gefällt mir

Danke für die Spende



Du fandest, der Beitrag war interessant und möchtest uns unterstützen? Klasse!

Hier erfährst Du, wie: Hier spenden.

Hier kannst Du per PayPal spenden.

About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

Folge Igor auf:
YouTube   Facebook    Instagram Twitter

Werbung

Werbung