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Licht und Schatten beim Owon® B35T+ Multimeter – Praxis-Test und Tear Down

Das Communitymitglied Dhamokk hat mich nach dem Test des Keysight U1233A Multimeter gefragt, ob ich mir mal sein Multimeter ansehen kann. Nach Klärung von ein paar Details hat er mir dann sein Multimeter zugeschickt. Dies entpuppte sich dann als das Multimeter B35T+ von der chinesischen Marke Owon® des Herstellers Lilliput. Als ich es bekommen habe wurde natürlich erstmal eine Bestandsaufnahme gemacht:

Abbildung 1: Lieferumfang

Der Lieferumfang umfasst:

  • Diverser Papierkram inklusive Sicherheitshinweisen, Quickstartguide usw.
  • Das Owon® B35T+ selbst
  • Einen Satz Messleitungen
  • Einen Satz Krokodilklemmen
  • Einen K-Typ-Temperatursensor
  • Ein „Multifunction Testsocket“

Optik, Haptik und Zubehör

Das Multimeter ist mit einer blauen Gummierung eingefasst. Mein Messschieber sagt, dass es folgende Maße hat: (HxBxT) ca. 180 mm x ca. 87,4 mm x ca. 45 mm. Der blaue Schutz kann nicht abgenommen werden.

Abbildung 2: Vorderansicht

Der Siebdruck ist aus meiner Sicht recht sauber. Der Drehschalter rastet ebenfalls schön ein. Die Anordnung der Buchsen und der Verwendungszweck entsprechen im Großen und Ganzen dem Standard. Unten findet man die vier 4mm Sicherheitsbuchsen. Diese sind auch farblich markiert. Allerdings gibt mir deren Beschriftung etwas zu denken: Maximal 250V bei der Strommessung bei einem CAT III 1000V Multimeter? Das lässt die Vermutung zu, dass an den Sicherungen gespart wurde. Ob das so ist sehen wir dann später im Teardown. Wenn dem so ist, schreibt es der Hersteller wenigstens drauf.

Abbildung 3: Beschriftung der 4 mm SIcherheitsbuchsen

Die Rückseite sieht auf den ersten Blick ganz vernünftig aus. Beim zweiten Blick bemerkt man jedoch die fehlende Halterung für Messleitungen. Der Ständer macht auf mich auch nicht unbedingt den Eindruck, als wenn dieser sehr robust wäre.

Abbildung 4: Rückseite

Owon® liefert hier einen Satz Messleitungen mit. Diese wirken auf mich weder besonders wertig, noch besonders schlecht. Ich bin hier einfach der Meinung, dass diese dem Preis angemessen sind.

Abbildung 5: Messleitungssatz

 

Die Messleitungen haben eine Kabellänge von ca. 0,89m und haben laut Beschriftung folgende CAT Einstufung: CAT III 1000V. Das Kabel ist ca. 3,5mm dick. Die Messspitzen selbst sind inklusive Griff ca. 141mm lang. Ich habe von etwaigen Kontaktproblemen bei diesen Leitungen gehört. Kann diese allerdings in dem kurzen Test nicht bestätigen. Die einzigen Kontaktprobleme die ich hatte, war mit oxidierten Kontaktflächen. Da war dann ein sanfter Druck notwendig. Außerdem wurde ein Satz Krokodilklemmen mitgeliefert. Diese scheinen zweckmäßig zu sein.

Abbildung 6: Krokodilklemmen

Zusätzlich wird auch ein K-Typ Temperatursensor mitgeliefert. Auch wenn ein großer Teil des Kabels ummantelt ist, wirkt der Fühler selbst aufgrund der doch recht dünnen Drähte und des nicht sauber abgeschnittenen Schrumpfschlauches nicht unbedingt hochwertig.

Abbildung 7: Spitze des K-Typ-Temperatursensors

Mit dem „Multifunction Testsocket“ können unter anderem bedrahtete Transistoren gemessen werden. Dazu habe ich jedoch keine auch nur annähernd saubere Testreihe.

Abbildung 8: Multifunction Testsocket

Technische Daten

Werfen wir zunächst einen Blick auf die technischen Daten die im Datenblatt (Heruntergeladen am 19.04.2020) und der englischen Bedienungsanleitung (Sep. 2019 Edition V1.3.6) stehen:

Geht man nun diese technischen Daten durch, erkennt man recht schnell, dass da einiges nicht zusammenpasst. CAT III 1000V und 250V Sicherungen im Strommesspfad? 1 mHz Auflösung bei 9,999 MHz? Das will ich bei einem 6000 Counts Display sehen. Auch die angegebene Toleranz bei der Temperaturmessung verlang von mir schon etwas Humor.Weil es so lustig ist, wird auch die Dauer eingeschränkt, in der 10 Ampere oder mehr Ampere gemessen werden dürfen. Hier liegt natürlich die Vermutung nahe, dass der 20A Messbereich das nicht länger aushält. So etwas finde ich schon sehr unschön.

Es gäbe noch mehr Beispiele. Jedoch zeigt mir das doch recht deutlich, dass man den Daten nicht trauen sollte. Es macht auf mich auch nicht den Eindruck, als wenn die Daten vollständig sind. Auch habe ich auf die Schnelle nirgends Informationen bezüglich der Garantie finden können.