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Intel Alder Lake im Nach-Test: Welche Motherboard-Settings die Leistungsaufnahme und Temperatur der CPU beeinflussen | Praxis

Die AC/DC Loadline in Theorie und Praxis

AC Loadline und DC Loadline können separat im BIOS  in den erweiterten VR-Settings eingestellt werden, wobei die Bezeichnung im Menü von Hersteller zu Hersteller etwas variieren kann (siehe Bild unten).  Diese Einstellungen haben stets Vorrang vor den Einstellungen der “CPU Internal Load Line”. Die Werte sind in 1/100 mOhm angegeben. Beispiel: 0,8 mOhm ergäben in unserem Bild also einen Wert von 80. Fürs Stromsparen ist ein AC und ein DC Wert von 40 (0,4 mOhm) vorgesehen. Dazwischen finden sich mehrere Zwischenstufen, die man auswählen kann.

Kommen wir nun zu den Aufgaben beider Werte. Die AC Loadline (VRM Loadline) als Wert 1 beeinflusst die Betriebsspannungen NUR bei AUTO-Spannungen (nicht bei manuellem Überschreiben), das müssen wir beachten. So wird die Zielspannung für den VRM (die auf der ursprünglich vorprogrammierten Standard-VID der CPU bei diesem Cache- und Kernverhältnis basiert) bei Volllast zunächst auf bis zu 1,520 V angehoben (je nach CPU, die Anhebung im Leerlauf ist geringer) und dann lässt Vdroop die Spannung für die CPU wieder auf ein sicheres Niveau fallen.

Die DC Loadline als Wert 2 hat keinen Einfluss auf die Betriebsspannungen, sondern nur auf die Leistungsmessungen und die VID, aber die DC Loadline sollte von Anfängern am besten auf den gleichen Wert wie VRM Loadline (Wert 1) gesetzt werden, um genaue VID- und CPU-Package-Power-Berichte zu erhalten, wenn <Auto> oder SVID Offset (wird nach Anwendung von <Auto> gesetzt) verwendet wird. In meinem Beispiel sind beide Werte im BIOS ab Werk auf 80 gesetzt.

Quelle: Intel® Architecture Platform Basics

Und dann wäre da noch ein wichtiger Fakt: das Toleranzband. Die “DC”-Toleranz der Kernspannung (der Betrag des zulässigen gleichmäßigen Rauschens) wird als sogenanntes Spannungsband um den Wert der Loadline herum angegeben (sogenanntes Toleranzband) und beeinflusst nicht unwesentlich die Stabilität von Vcore und damit des Systems. Außerdem kann hier ein stetiges Übervolten (oberer Toleranzbereich) bereits dazu führen, dass die Leistungsaufnahme und damit auch die thermische Last (Temperaturen) ansteigen.

Quelle: Intel® Architecture Platform Basics

 

Ich erwähnte bereits auch SVID Offset und möchte das abschließend ebenfalls noch kurz erklären. Hier kommt eine Verstärkung der AC-Loadline zur Anwendung (erhöht VID, VR VOUT und die Lastspannungen), damit auch schlechte CPU-Samples stabil laufen, auch wenn es gar nicht nötig wäre! SVID Offset kann verwendet werden, um die Leerlaufspannung/VR VOUT bei automatischen Spannungen zu reduzieren, während die Lastspannungen bei besseren CPU-Samples dann wieder ähnlich wie bei deaktiviertem SVID sind. Wer also einen sogenannten Potato-Chip besitzt, könnte es mal mit Vcore auf <Auto>, LLC (Load Line Calibration) auf Standard, AC und DC-Loadline auf mindestens 80 probieren und dann SVID Offset aktivieren. Das klappt eigentlich immer, aber man muss auch die Temperaturen (und Spannungen) im Auge behalten.

Die nachfolgende Tabelle aus Intels internen Unterlagen zeigt, dass man sogar mit Werten um die 170 (1.7 mOhm) für DC arbeiten könnte, während MSI die Vorgabe recht niedrig, also eher in Richtung Sparsamkeit gedrückt hat. Was das dann in der Praxis ausmacht und ob man noch mehr einsparen kann, das seht Ihr auf der nächsten Seiten. Natürlich können die Voreinstellungen von Board zu Board abweichen und auch die 80 bei Board A muss nicht zwingend dieselbe 80 auf Board B sein. Wichtig ist aber auch hier, dass die korrespondierende LLC gewählt wird (oder man diese am besten erst mal auf <auto> bzw. <standard> lässt).

Source: igor’sLAB (based on internal Intel White Paper)

Ich weiß es aus internen Gesprächen mit BIOS-Entwicklern, dass z.B. in diesem Bereich von AC/DC-Loadline und SVID Offset gern seitens der Hersteller etwas gecheatet wird, um stabilere Übertaktungsmöglichkeiten auch für schlechtere CPU-Samples  zu bieten. Die Folge ist bekannt: stabileres OC für Dummies, die nichts weiter mühsam einstellen müssen und leider auch höhere Leistungsaufnahme- und Temperaturwerte an der CPU. Das kann man sehen, wie man will, aber schön ist es nicht. Denn es ist auch nicht sicher, ob die sichtbaren Menüeingaben wirklich der Realwert sind, oder ob nicht noch intern mit weiteren Offsets etwas völlig anders abgespeichert wird (also 80 im AC/DC Loadline Menü des UEFI und 90 dann als wirklich verwendeter Wert usw.)

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M
Martin Gut

Urgestein

4,491 Kommentare 1,648 Likes

"Die Werte sind in 1/100 Ohm angegeben. Beispiel: 0,8 mOhm ergäben in unserem Bild also einen Wert von 80."

Ein kleiner Fehler auf Seite 2: "1/100 mOhm"

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Megaone

Veteran

228 Kommentare 160 Likes

Top Artikel. Wo list man sowas, ausser bei Igor!

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Igor Wallossek

Format©

6,180 Kommentare 9,711 Likes

Gefixt. The day after... 40-jähriges Klassentreffen und danach so einen Aufsatz :D

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C
CKBVB

Mitglied

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@Icarus: Muss ja sticheln, aber scheinbar kann auch Intel gut was sparen, ohne Geschwindigkeit zu verlieren 🦆und weg :cool:

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IICARUS

Veteran

189 Kommentare 70 Likes

Du bist mir ein Spaßvogel... :ROFLMAO:

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z
zerbich

Neuling

4 Kommentare 0 Likes

Ja, das wäre toll... ich bin am überlegen den 8700k gegen den 12700k zu tauschen.. aber das hier übersteigt mein Wissen xD

Beim 8700k, weiß ich gab es auch diesen "Sweetspot" von 4,8 GHz, wo sogar mit niedriger Spannung als default funktioniert.

So etwas hätte ich gerne wieder. (y)

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RX480

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551 Kommentare 303 Likes

UL sollte sich mal Irgendwas zur "realen" TDP-Anzeige überlegen!?
... und die Temp wäre auch net ganz verkehrt
nice CPU Score, kann als Laie aber net beurteilen wieviel bei dem user davon durch den extremen [email protected] kommt

So bleibt der UL-Plot 6,[email protected] nur ein feuchter Wunschtraum.
... schien mir einen Schnappschuss wert

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P
Phoenixxl

Mitglied

73 Kommentare 27 Likes

Wenn du gerade dabei bist:
Seite 2. Graph steht oben "Watt - less is better). Das sollten °C sein.
Und auf Seite 1 im Vorwort steht "einen einen".

On Topic:
Es ist schon ganz schön übel, wie sehr man sich mittlerweile um seine CPU kümmern muss, um keinen Murks zu machen.
Bei Ryzen hat mich Core Performance Boost in den Wahnsinn getrieben und hier ist wohl auch viel Optimierungs- bzw. Handlungsbedarf im BIOS.

Wenn schon deine Leser ins Schlingern kommen, dann ist das für die breite Masse kein gutes Zeichen.
Zumal sich dort keiner um das BIOS kümmern wird.
Man darf gespannt sein wie die Hersteller von Komplettsystemen die CPUs konfigurieren werden: Effizient, Laut, volle "Performance"...
Vllt kommt ja einer der Mainboard-Hersteller auf die Idee bei den GPUs abzukupfern und DUAL-BIOS mit Silent und Performance zu bringen.

Ich war nach den ersten Tests jedenfalls ziemlich verwirrt, weil das Ergebnis hier doch ziemlich anders war, als auf anderen Seiten.
Da musste man erstmal schauen, was die seltsames getestet haben XD

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Tronado

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668 Kommentare 245 Likes

Das ist wohl kein Vergleich zum Einstellaufwand bei AMD, wenn man beim 12xxx das PL1 + PL2 z.B. auf 125W einstellt, ist schon alles geregelt und man muss nie wieder ins BIOS. Samstagabend 300W und 98°C im Cinebench, jetzt 70°C bei 185/145W bei kaum gesunkenen Punkten.

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z
zerbich

Neuling

4 Kommentare 0 Likes

Sieht in dem Bericht alles andere als einfach aus 😅

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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