Prozessor System Testberichte

TIM-Gate, VRM-Desaster oder einfach zu viel Polemik? Skylake-X und mögliche Mängel bei X299-Mainboards

Was gab es nicht in den letzten Wochen an Rauschen im Blätter- und Videowald. Da war stellenweise sogar von einem VRM-Desaster oder einem TIM-Gate (Wärmeleitpaste statt Lot) die Rede, doch wenn man alles einmal genau und abgekärt betrachtet, ist das G...Wärmeleitpaste statt Lot Einer der Gründe für die ganze Kühlproblematik liegt an Intels Einsatz von unzweckmäßiger (aber wohl deutlich billigerer) Wärmeleitpaste anstelle eines sinnvollen Lotes auf Indium-Basis. Man kann nun über die Haltbarkeit solc...Default-Einstellungen Out-of-the Box, Cheats und Hitze Die erste Kritik, die uns bereits lange vor dem Launch zu Ohren kam, vernahmen wir aus der Richtung der Mainboardhersteller. Man nehme eine normale All-in-One Kompaktwasserkühlung, wie sie dutzen...Wir nehmen die Mainboardhersteller mit in die Pflicht Allein die Schuld eines sich anbahnenden Hitze-Infernos jetzt nur auf Intel und die bis an ihre Schmerzgrenze ab Werk getaktete CPU zu schieben, wäre in der Summe sicherlich auch zu kurz gesprunge...

Default-Einstellungen Out-of-the Box, Cheats und Hitze

Die erste Kritik, die uns bereits lange vor dem Launch zu Ohren kam, vernahmen wir aus der Richtung der Mainboardhersteller. Man nehme eine normale All-in-One Kompaktwasserkühlung, wie sie dutzendweise in den Entwicklungsetagen der Mainboardhersteller rumliegen, packe sie exemplarisch auf einen Core i7-7900X und entwickle einfach mal ein BIOS, welches den Vorgaben des Chipherstellers genügt, zudem das Board in Vergleichen mit den Mitbewerberprodukten gut dastehen lässt und auch sonst optimal läuft.

Ob jetzt ausgerechnet das Argument der fehlenden Zeit durch Intels hastig vorverlegten Launch beim Leser greift und Akzeptanz findet, sei mal dahingestellt. Schön war anfangs jedenfalls keines der getesteten Mainboards, denn es liefen noch nicht einmal die Standardvorgaben sauber und fehlerfrei. Fehlerhafte P-States, falsche Turbo-Taktraten und so einiges mehr…

MSI X299 Gaming Pro Carbon AC mit üblichem Spannungswandlerkühler aus dem TestMSI X299 Gaming Pro Carbon AC mit üblichem Spannungswandlerkühler aus dem Test

Was uns jedoch auffiel: jeder Hersteller hatte da so eine eigene kleine Leiche im Keller, “Cheats” inklusive. Vergleichen wir zunächst einmal das Asus Prime X299-Deluxe und das MSI X299 Gaming Pro Carbon AC (basierend auf dem Test meines Kollegen Thomas Soderstrom). Während Asus die Leistung @Stock ein wenig einbremst, lässt MSI der Kraft vollen Lauf. Kraft kommt von Kraftstoff und so verwundert uns die Leistungsaufnahme (und die damit verbundene Abwärme) dann schon gar nicht mehr:

Da Prime95 keine Ergebnisse auswirft, muss man dann schon genauer hinschauen, wo die Unterschiede liegen. Zum Einen gibt es beim MSI einen BIOS Eintrag Enhanced Turbo, der per default immer auf <auto> steht und so aktiv ist. Um ihn aber überhaupt zu finden (und zu deaktivieren), muss man erst das Advanced-BIOS öffnen und dann noch den Expert-Modus beim OC aktivieren. Im Turbo Boost 2.0 stehen ja normalerweise zwei Kernen bis zu 4.3 GHz Turbo-Takt zu, doch ist der Schalter aktiviert (und das ist er ab Werk immer), takten alle Kerne bei Last automatisch auf 4.3 GHz. Das ist eine nette Übertaktung ab Werk, die natürlich auch mit einer automatischen Spannungsanpassung abgesichert wird.

Was hingegen wundert ist der Umstand, dass man bei 4,0 GHz auf allen Kernen und dekativiertem Enhanced Turbo erschreckende 230 Watt statt Überwiegend 160 Watt (mit Leistungsspitzen bis etwas über 230 Watt) bei Prime95 und 4,3 GHz All-Core-Turbo benötigt. Hier scheint Intel also intensiver zu regeln. Allerdings kehrt sich das Bild wieder in die Realität um, wenn man mit Cinebench rendert. Dann ist die 4-GHz-Variante mit 145 Watt Einsatz für 2169 cb gut, währen die mit Enhanced Turbo erreichten 4,3 GHz dann für 2312 cb bei 190 Watt sorgen. Wir erhalten 6,6% mehr Performance bei 7,5% mehr Takt für unmögliche 31% mehr Leistungsaufnahme! Das ist wahrlich ein schlechter Wareneinsatz und wäre im wahren Leben der sichere Ruin jeder Gastwirtschaft.

Außerdem kann man natürlich noch beim Threshold des Turbo-Taktes tricksen oder mauern, je nachdem. Es ergibt schon einen großen Unterschied, ob der Turbo bei 5% oder 10% Last anspringt oder irgendwo dazwischen. Solch kleine Vorteilsnahmen lassen natürlich am Ende auch den Stromzähler besser kreiseln und das Mainboard natürlich besser dastehen. Schelme gibt es überall.

Spannungswandler im Temperatur-Check

Kommen wir nun zu den Spannungswandlern zurück und testen, was unser Mainboard im Maximalfall beim Einsatz Out-of-The-Box ohne weitere manuelle Übertaktung halten kann kann und was nicht. Betrachen wir zunächst zwei Szenarien (siehe auch oben), die wir bei einer Dauerlast von reichlich 160 Watt (also etwas oberhalb der angegebenen TDP) und einmal bei reichlich 230 Watt, also dem Maximum dessen, was im Werkszustand mit Software noch erreichbar war und als absoluter Wort-Case zu sehen ist.

Dazu stellen wir die Sensor-Werte und die Infrarot-Wärmeflussanalyse gegenüber. Bei letzterer handelt es sich um exakt die im Diagramm auch parallel protokollierten 20 Minuten, wobei wir alle nachfolgenden Videos im Zeitraffer ablaufen lassen (Time Lapse, jeweils 2 Minuten).

160 Watt++ als Einstiegs-Level

Betrachten wir nun Diagramm und Video. Der CPU geht es thermisch noch recht gut, was natürlich auch dem Chiller geschuldet ist. Wir sehen auch, dass das Package selbst jetzt bereits heißer ist, als die maximalen Kerntemperaturen. Der Gegentest mit der AiO-Kompaktwasserkühlung war noch akzeptabel, die Luftkühlung führte aber bereits nach einigen Minuten beim Auftreten zum Throttling der Kerne.

Wenn wir uns die Kurve aber einmal genauer ansehen, dann sehen wir deutlich, dass stellenweise bis zu 230 Watt und darüber erreicht werden können. Allerdings regelt die CPU den Leistungsbedarf so, wie sie es für richtig hält und spart dadurch einorm Leistung (wenn man das bei diesen Werten überhaupt noch so nennen kann).

Die Spannungswandler auf dem Mainboard langweilen sich bei dieser Arbeitsaufgabe noch und es gibt keinen Grund zur Sorge:

 

Wir steigern uns auf 230 Watt

Das Maximum ohne manuelle Taktanhabeung erreichen wir bei fast konstanten 230 Watt, wenn man den Enhanced Turbo wieder wegsperrt und einfach alle Kerne so vor sich hin werkeln lässt. Die Leistungskurve ist viel glatter, dafür werden alle Bereiche schon jetzt deutlich heißer. Das trifft auch die Spannungswandler, die bei fast konstanter Dauerlast natürlich auch mehr zu tun bekommen.

Die Spannungswandler auf dem Mainboard kratzen schon deutlich an der 90°C-Marke, aber da ist immer noch etwas Luft nach oben. Es zeigt schon aber einmal, dass man im Normalbetrieb ohne manuelle Takt- oder Spannungsanhebung zwar immer noch im Limit bleibt, aber es bis zum VRM-Trottling nur noch 15°C und weniger sind.

 

Im Gaming begnügt sich der Core i9-7900X übrigens fast durchgängig mit weit unter 100 Watt, was aber auch zeigt, dass diese CPU für Nur-Gamer reichlich sinnlos ist. Das kann man dann fast schon mit einem feuchten Daumen kühlen, nur ist dies nicht der Gegenstand dieses Tests.

Merkblatt #5
Im Werkszustand sind je nach Verwendung des Enhanced-Turbo Leistungsaufnahmewerte von etwas über 230 Watt (mit AVX) und reichlich 200 Watt (ohne AVX) möglich. Das ist, auch aufgrund der schlechten Wärmeübergänge in der CPU, nicht mehr mit Luft kühlbar, wohl aber mit einer guten AiO-Kompaktwasserkühlung. Doch auch diese wird am Ende an Ihre Grenzen stoßen, denn die Kerntemperaturen liegen fast schon im Bereich des thermischen Throttlings der Kerne bzw. des Packages.

Womit wir nun zum Übertakten kommen bzw. dem, was uns innerhalb der Specs noch davon übrig geblieben ist.

Danke für die Spende



Du fandest, der Beitrag war interessant und möchtest uns unterstützen? Klasse!

Hier erfährst Du, wie: Hier spenden.

Hier kannst Du per PayPal spenden.

About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

Folge Igor auf:
YouTube   Facebook    Instagram Twitter