Allgemein Hardware Prozessor Testberichte

Intel Core i9-9900K, i7-9700K und i5-9600K im Test – Heiße Gratwanderung zwischen Überhol- und Bremsspur

Die Messung der Leistungsaufnahme ist zwar immer etwas tricky, aber so lange sich die Messungen an der 12V-Zuführung (EPS) und den Sensorwerten der Spannungsversorgung des Mainboards plus Spannungswandlerverluste plausibel decken, ist alles in Ordnung. Denn manchmal muss man schon zweimal hinsehen, um die Messwerte am Ende auch zu glauben. Deshalb setzen wir erneut auf die reine Package Power, um mögliche Einflüsse des Mainboards zu vermeiden. Die Werte des PWM-Controllers sind im gemittelten Wert über einige Minuten hin wirklich sehr zuverlässig.

Im Idle ist die Welt noch völlig in Ordnung. Sowohl die Standard-Variante out-of-the box, als auch der übertaktete Prozessor verhalten sich zurückhaltend. Dass der Ryzen 5 2600X im Idle so weit vorn liegt, machen wir an unserem schlechten Sample fest, es ist aber definitiv kein generelles AMD-Problem, wie der Ryzen 7 2700X zeigt. Generell sind aber alle CPUs recht sparsam. Zur Kühlweise haben wir ja im vorigen Abschnitt genügend geschrieben.

Im CAD-Workflow liegen beide Varianten auch noch gut im Rennen, wobei die Leistungsaufnahme jeweils auch nur geringfügig höher ausfällt als beim Core i7-8700K. Bis hierher macht sich auch die sehr hohe Spannung von deutlich über 1.4V, die wir für einen stabilen Betrieb ermittelt haben (siehe auch im Abschnitt zu den Temperaturen), nicht störend bemerkbar. Alles ist noch im grünen Bereich.

Beim Gaming-Loop hält sich die Leistungsaufnahme ebenfalls noch im Rahmen der zu erwartenden Werte, zumal nicht alle Kerne sinnvoll ausgelastet werden können. Ein Gegentest mit Assassins Creed Origins ergab zwar dann sehr wohl viel höhere Werte (bis zu 20 Watt mehr), allerdings ist dieses Spiel im Gegenzug so schlecht optimiert, dass jedes Mal völlig unterschiedliche Werte gemessen werden konnten.

Fünf Messungen mit fünf stark abweichenden Ergebnissen sind nichts, was sich für einen wirklich fairen Vergleich auch nur ansatzweise eignen würde. Allerdings überschritt der Core i9-9900K bei 5 GHz auch nie wirklich die 100-Watt-Grenze, so dass man hier auch noch einigermaßen kühl über die Runden kam. Zumindest bei solchen Spielen.

Kritisch wird es aber im Produktiveinsatz, denn eine konstante Last ist auf allen Kernen gleichzeitig bei so hohen Taktraten dann fast schon zu viel. Und um eines klarzustellen, der Core i9-9900K glüht nicht nur beim extensiven Einsatz von AVX und Prime95 mit knapp 205 Watt (250 Watt OC), sondern er überschreitet die angegebene TDP sogar ohne Übertaktung in völlig normalen Anwendungen sehr deutlich!

Im Cinebench messen wir 137 Watt (232 Watt OC), bei einem größeren Blender-Workload sogar 145 Watt (241 Watt OC) und bei Berechnungen mit diversen CAD Plugins (Creo, Solidworks) noch über 120 Watt (198 Watt OC). Ohne Übertaktung und bei 4.7 GHz auf allen Kernen sind dann auch die Grenzen einer normalen AiO-Kompaktwasserkühlung in Sichtweite, beim OC werden diese elegant gesprengt. Derartige Leistungsaufnahmewerte auf so einem kleinen Sockel sind einigermaßen sinnfrei.

Und um noch einmal auf die von uns angelegte hohe Spannung zurückzukommen: Sie war definitiv nötig, um bei den komplexen Simulationsberechnungen wirklich fehlerfrei über die Runden kommen zu können. Wenn Render-Plugins abstürzen oder komplexe wissenschaftliche Berechnungen an Prüfsummen scheitern, dann ist für uns der Betrieb instabil, egal ob alle Spiele nun sichtbar ohne Fehler starten oder nicht.

Stabilitätstests mit Prime95, Cinebench oder gar irgendwelchen Spielen sind reiner Selbstbetrug und nichts wert. Das Gleiche gilt für den 3DMark, da die Zyklen alle viel zu kurz sind. Erst wenn ein System über Stunden in wechselnden Workloads wirklich fehlerfrei alle Tests absolvieren kann, dürfte man eine Übertaktung als wirklich gelungen und stabil betrachten. Was in der Praxis aber niemand macht, weil es viel zu zeitintensiv ist.

Allein schon deshalb fehlt mir der Glaube an all die kolportierten 5.x-GHz-Sensationsmeldungen mit Spannungsvorgaben von unter 1.4x Volt, bei denen kurzfristig irgendetwas so grandios wie nur möglich lief. Wenn es nachweisbar nicht gelingt, dies alles unter Volllast auch vernünftig zu kühlen und mit für den Alltagsbetrieb und für die Hardware ungefährlichen Spannungen zu betreiben, dann sind solche Zahlen einfach nichts wert. In die Tasche lügen kann ich mir selbst auch.

Abschließend und weil es immer wieder schön (bunt) ist, noch die Kurven der jeweiligen Langzeitmessungen des Intel Core i9-9900K im Standard-Zustand mit den gemittelten Werten ohne die Übertaktung:

Danke für die Spende



Du fandest, der Beitrag war interessant und möchtest uns unterstützen? Klasse!

Hier erfährst Du, wie: Hier spenden.

Hier kann Du per PayPal spenden.

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

Folge Igor auf:
YouTube   Facebook    Instagram