Arbeitsspeicher Gaming System Testberichte

Hält der neue High-End RAM für Ryzen 5000, was er verspricht? – G.SKILL DDR4-3800 CL14 2x 16GB Kit im Test

Overclocking – Dual-Rank B-Die on the Edge

Nun hat G.SKILL mit 3800 CL14 Dual-Rank eigentlich schon alle Register gezogen, die es zu ziehen gibt, um die maximale Performance auf einem AMD Ryzen System zu erreichen. Aber wir schauen trotzdem mal, ob sich nicht noch ein bisschen mehr herauskitzeln lässt. Und natürlich dürften die Zugewinne beim Intel System erwartungsgemäß nochmal deutlich größer ausfallen, da wir dort ja nicht effektiv im Takt limitiert sind.

Alle OC Settings wurden natürlich auf 24/7 Stabilität mit Testmem5 [email protected] und GSAT getestet, sind also repräsentativ für eine Einstellung im täglichen Gebrauch. Hierzu muss ich vorab noch anmerken, dass Samsung B-Die am Performance-Limit zunehmend Temperatur-sensibel wird. Es kommt hinzu, dass die DIMMs beidseitig bestückt sind und dich die Wärmedichte daher nahezu verdoppelt. Die Aluminium Heatspreader machen zwar einen guten Job, aber irgendwann ist auch ein Limit in der Physik ohne aktive Kühlung erreicht. Daher wurden Einstellungen, die nach längerer Zeit im Stresstest aufgrund steigender Temperaturen instabil wurden mit einem „*“ gekennzeichnet. Hierfür bräuchte man also irgendeine Art der aktiven Kühlung, sei es indirekt über den Lüfter des CPU Kühlers oder mit einer Aftermarket-Lösung.

So sieht dies dann im Übrigen aus, wenn sich Temperatur-bedingt Instabilität zeigt.

Die DDR4-3800 „CL14-flat“ Einstellung, also mit Primärtimings 14-14-14-28 wird nach 27 Minuten im TM5 und bei ca. 45,4°C instabil und beginnt Fehler zu werfen.

Hingegen das DDR4-3800 14-15-14-28 Setting bleibt stabil für über eine Stunde, auch nachdem es seine maximale Temperatur von über 47°C erreicht hat. Alleine das Erhöhen des RCD Timings um 1 Tick macht also hier den Unterschied zwischen 24/7 stabil und instabil. Um so etwas zu diagnostizieren, kommt natürlich der integrierte Temperatur Sensor der Module wie gerufen. Das Montieren eines externen Temperaturfühlers ist dem Ottonormalverbraucher denn nun wirklich nicht zuzumuten. Entsprechend möchte ich hier nochmal G.SKILL ausdrücklich loben, dass sie auf ihren DDR4 Modulen stets diese Sensoren verbauen.

Im Übrigen ist DDR4 laut JEDEC mit einer Betriebstemperatur von bis zu 85°C spezifiziert, es beseht also keine Gefahr für die Langlebigkeit der Komponenten. Nur wenn man seinen RAM ans Performance Maximum treibt, können ein paar Kelvin mehr oder weniger über der Raum- bzw. Gehäusetemperatur den Unterschied machen. Deshalb auch hier nochmal der Tipp: Wenn ihr RAM auf 24/7 Stabilität testet, tut dies in der tatsächlichen Verbauung, also z.B. im Gehäuse mit geschlossener Seitenwand, und mit Last auf GPU und CPU, um das Erwärmen der umgebenden Luft zu simulieren. Ich hatte z.B. schon den Fall, dass mein RAM über Nacht stabil war während nur der TM5 lief, aber nach 30 Minuten im Gaming die Grafikkarte so viel Abwärme erzeugt hatte, dass der RAM zu warm und damit instabil wurde.

 

Wenn wir nun versuchen, auf dem AMD System zu übertakten, können wir lediglich an den Timings drehen, da der Takt ja bereits am Maximum des 1:1 Betriebs läuft. Durch senken der Primärtimings auf das selbe Niveau wie tCL erreichen wir nochmal einen kleinen Boost im Lesen und Schreiben.

 

Zur Kontrolle habe ich auch nochmal DDR4-4000 im 1:2 Modus getestet. Die Leistung fällt aber hier massiv ab, sowohl beim Durchsatz, als auch bei der Latenz. Man sollte also definitiv beim 1:1 Betrieb bleiben. Sollte AMD zukünftig ihre AGESA in den Griff bekommen und FCLK von 2000 MHz ermöglichen, könnte diese Konfiguration an Wichtigkeit gewinnen. Das Erreichen von DDR4-4000 durch Anheben der tCL auf 16 war dabei ein Kinderspiel. Und auch mit komplett manuellem Tuning aller Sekundär- und Tertiär-Timings lässt sich auf der AMD Plattform nur noch ein sehr geringer Zugewinn erreichen.

Im Copy Test bleiben die Abstände gleich. Das Intel System ohne Taktlimit kann natürlich mit höheren Taktraten auch weitaus höheren Datendurchsatz verzeichnen, egal ob Read, Write oder Copy. Für das performanteste Setting musste im Übrigen die RAM Spannung auf 1.55V angehoben werden, was dazu führt, dass aktive Kühlung benötigt wird und sich die Effizienz zu einem Großteil verabschiedet. Ich habe einfach mal angenommen, dass Nutzer eines ohnehin eher ineffizienteren Intel Systems um jeden Preis die Mehrleistung bevorzugen und damit eine höhere Spannung in Kauf nehmen würden.

Im Latency Test ist die Intel Plattform natürlich Archtitektur-bedingt im Vorteil. Ryzen 5000 hat aber mit seiner neuen Cache Architektur zwar einen kleinen Sprung gemacht und mit gänzlich manuell optimierten Timings ließ sich die Latenz auf unter 55 ns senken. Nicht schlecht.

Im Geekbench 3 Memory Test wird nochmal alles an Read-, Write, Copy-Bandbreite und Latency in diversen Realworld-nahen Einzeltests verwurstet und anhand der Berechnungszeit ein gewichteter Ergebniswert generiert. Hier kann das gänzlich manuelle Setting auf AMD nochmal merklich zugewinnen. Aber der Star der Show ist natürlich das schnellste Setting auf der Intel Plattform mit knapp 10000 Punkten. Wer sich mit Geekbench 3 Memory Scores auskennt, der weiß, dass dieser zum einen deutlich von Dual-Rank profitiert, aber auch dass 10000 Punke ein schon fast magischer Meilenstein sind, der in den frühen Jahren von DDR4 immer versucht wurde zu erreichen. Dass wir dies nun mit diesem Kit fast schaffen, noch dazu mit einer Einstellung die sich für die tägliche Verwendung eignet, ist beeindruckend.

Wer unseren Artikel zu den Auswirkungen von verschiedenen Arbeitsspeicher-Konfigurationen auf die Performance Cyberpunk 2077 gelesen hat, der wird von der Führung des Intel Systems nicht überrascht sein. Tatsächlich macht aber der Dual-Rank Betrieb des AMD Systems wieder viel gut, auch beim XMP Takt von „nur“ DDR4-3800, wodurch sich der Unterschied lediglich im einstelligen Rahmen bei Average und 1% Low FPS hält. Und das ist wohlgemerkt bereits bei 1080p der Fall, wo wir im vergangenen Test Unterschiede bis zu 21% messen konnten.

Bei den Frametimes in 1080p sind wir gerade so an der schwelle zwischen kleiner und größer als 2ms, daher der grüne Balkensalat. Aber bei den gelben Varianzen mit mehr als 4 ms sind alle Konfigurationen in etwa gleich auf, wieder mit einem kleinen Vorteil für die schnellen Settings auf dem Intel System.

Im Ultra HD schrumpfen die Abstände natürlich weiter, bedingt durch den Flaschenhals bei der Grafikkarte. Aber dennoch kann hier das OC Potential auf dem Intel System seine Karten ausspielen und sich zumindest bei den 1% Low FPS messbar absetzen.

Ähnlich sieht es bei den Varianzen aus, wobei die XMP Config auf dem Intel System in Mitten der Ergebnisse des AMD Systems landet. Das Intel System kann sich zwar mit hohem Datendurchsatz auch hier messbar absetzen, wirklich spürbar dürfte es aber beim Gaming nicht sein.

Auch für die Übertaktungs-Einstellungen habe ich nochmal die Ergebnisse aus allen Benchmarks kumuliert und relativ zum XMP Setting der jeweiligen Plattform gegenübergestellt. Zum einen sehen wir, dass wir auf dem AMD System auch mit viel Aufwand nur 3% Leistung hinzugewinnen können. Dies ist aber keineswegs eine Kritik, sondern vielmehr ein Zeugnis dafür, wie gut G.SKILL das XMP Profil dieses RAM Kits für AMD Ryzen Systeme optimiert hat.

Wer mit seinem Intel System die FPS-Speerspitze verfolgt, muss dieses Kit schon fast übertakten, denn im XMP Setting ist der Unterschied zum AMD System effektiv zu vernachlässigen. Wagt man sich aber dann an die Taktschraube, kann der Samsung B-Die seine Flügel entfalten und erzielt Zugewinne von bis zu 24% gegenüber der XMP-Leistung, wohlgemerkt stabil für den täglichen Betrieb. Das ist beeindruckend, besonders für Dual-Ranked Module.

Die kompletten Einstellungen für die jeweils performanteste Config auf AMD und Intel will ich euch natürlich nicht vorenthalten. Während auf der AMD Plattform SOC Voltage Auto und RAM Voltage 1.5V verwendet wird, darf es beim Intel System wie schon erwähnt etwas mehr sein. 1.55V RAM Voltage, 0.825V DRAM VTT Voltage, 1.35V System Agent Voltage und 1.2V VCCIO Voltage müssen hier herhalten, aktive Kühlung für 24/7 Stabilität vorausgesetzt.

Fazit

Mit guten 350 Euro ist das G.SKILL Trident Z Neo 3800 C14 2x 16GB Kit natürlich alles andere als günstig, sofern man es aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit überhaupt in die Hände bekommt. Aber die Zielgruppe für dieses Kit ist natürlich auch nicht der Budget- oder Casual-Gamer von Welt, sondern Enthusiasten, die das meiste an Leistung aus Ihrem System holen, sich aber vielleicht noch einen Krümel an Vernunft bewahren wollen.

Ich war mir nicht sicher, ob das Fazit auf die XMP Performance oder auf die OC Performance folgen sollte. Denn zum einen ist die XMP Performance mit AMD Ryzen nahezu perfekt. Maximaler RAM Takt mit 1:1 IF Anbindung, minimale Latenzen dank B-Die, Performance Boost durch Dual-Rank Betrieb und das alles im XMP Profil ohne zusätzliche Bastel-Aufwände. Frei nach dem Motto: Setup and forget. Dass die Kapazität mit 32GB für die allermeisten Privatanwendungen mehr als genug sein dürfte und das bewehrte Design mit ansprechender RGB-Beleuchtung noch dazu kommt, ist die Kirsche auf dem Eisbecher.

Nun ist das Kit zwar speziell für AMD Ryzen konzipiert und beworben, aber auch auf einem aktuellen Intel System muss sich das Kit nicht verstecken. Die XMP Kompatibilität ist vollständig gegeben und mit ein wenig Drehen an Takt und Timings lassen sich beachtliche Performance-Zugewinne erzielen. Der Temperatur Sensor ist hierfür ein nützliches Helferlein, der meiner Meinung nach bei keinem B-Die Kit in dieser Preisklasse fehlen sollte. Wer in seinen Spielen den meisten FPS hinterherjagt und trotzdem keine Abstriche bei der Gesamtkapazität mit Single-Ranked Modulen machen möchte, der dürfte mit dem Kit ebenfalls glücklich werden.

Ob mit Intel oder AMD, das G.SKILL Trident Z Neo DDR4-3800 C14 2x 16GB Kit eignet sich bestens für nahezu jeden Usecase, das nicht mehr als 32 GB benötigt. Und selbst dann könnte man natürlich relativ einfach ein zweites identisches Kit in einem 4-DIMM Mainboard nachrüsten. Natürlich muss man für derartig beeindruckende Leistung, wie wir sie in unseren Tests messen konnten, auch ein entsprechendes Premium beim Preis in Kauf nehmen. Besonders für Ryzen gibt es aber momentan kein anders Arbeitsspeicherkit auf dem Markt mit vergleichbarer Optimierung und XMP-Performance. Die Anschaffungskosten sind also gerechtfertigt und werden bei keinem Enthusiasten für schlechtes Gewissen sorgen. Ganz im Gegenteil, für AMD Ryzen gibt es aktuell wahrscheinlich kein RAM Kit mit besserer Performance.