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Mivoc Hype 10 G2 im Subwoofer-Test: Tiefton trifft Tiefpreis | Vor 5 Jahren – Langzeittest

Innenleben und Lautsprecher-Chassis

Entfernt man die komplette Aktiveinheit, kann man einen ersten Blick in den Korpus werfen. Die angeleimten Klötzchen sollen sicherlich die Streifigkeit des an sich bereits recht starren Korpuses verbessern, aber man merkt sofort, dass hier etwas gespart werden musste, denn auf innere Verstrebungen muss man verzichten. Funktionieren wird der Subwoofer natürlich trotzdem, aber komplett versteift ist er somit nicht.

Darüber hinaus nehmen etwas zu weiche Wände dem Bassreflex ein wenig Kraft, wobei dieses Problem beim Hype 10 G2 noch zu verkraften ist. Denn eines ist auch wichtig: Immer schön den Preis im Hinterkopf behalten…

 

Das angeleimte Bassreflexrohr aus Kunststoff zeigt dankenswerterweise zur Front, hätte aber durchaus etwas länger ausfallen dürfen. Die für den Subwoofer gewählte Abstimmung geht leicht an den Herstellerempfehlungen des Chassis vorbei.

So ergibt sich als Endkonsequenz eine Performance-Spitze bei 50 bis 55 Hz, die uns auch schnell offenbart, dass man hier massenkonform in Richtung große Basstrommel optimiert hat. Das ist schade, denn so wird einiges an Potential nach unten hin verschenkt – doch dazu bei den Messungen gleich mehr.

 

 

Die Box an sich ist kaum bedämpft. Das mit leichter Dämmung verkleidete Tiefton-Chassis (Mivoc SWW1) ist deutlich einfacher gehalten als das AW104 aus Mivocs Selbstbau-Angebot. Es hat einen Einbaudurchmesser von 23,5 cm, einen Außendurchmesser von 26,3 cm und eine Einbautiefe von 11,4 cm. Das Gewicht liegt immer noch bei stattlichen 3,4 Kg. Der Herstellers gibt 180 Watt (R.M.S.) als Nenn- und 350 Watt als Maximalleistung an.

Die Membran besteht aus Polypropylen und wird mittels Gummisicke im Korb gehalten. Die Schwingspule hat einen Durchmesser von fünf Zentimetern und eine Impedanz von vier Ohm; der lineare Hub von +/- 4,0 mm geht so auch in Ordnung. Fakt ist aber auch, dass der SWW11 eher auf größere Gehäuse abzielt, bei denen das Nettovolumen 40 Liter und mehr betragen sollte – beim Hype 10 G2 wird dieses empfohlene Minimalvolumen mit 40,8 Litern nur knapp überschritten.

Als Abstimmfrequenz (fb) empfielt man eine Frequenz zwischen 36 bis 38 Hz und Mivoc gibt zumindest in den Specs eine Bassanhebung von drei Dezibel bei 37 Hz an.

Das Chassis selbst bietet einem Schalldruckpegel (SPL) von bis zu 90 dB, was in Ordnung ist. Die obere Frequenz von 600 Hz ist hier eher nebensächlich, da man diesen Bereich sowieso nie brauchen wird.

Verstärkertechnik

Auf der Montageplatte der Aktiveinheit befindet sich eine analoge Vorverstärker-Platine mit Eingängen und Regelmöglichkeiten, wobei der Regler für die Crossover-Frequenz als einfaches RC-Glied (Tiefpass) zweiter Ordnung ausgeführt ist. Der Regelbereich liegt stets bei bzw. über 50 Hertz und senkt je nach Stellung alle Frequenzen oberhalb mehr oder weniger stark ab. Es ist somit keine echte Verschiebung der Übergangsfrequenz möglich, sondern lediglich eine frequenzabhängige Pegelanpassung (Tiefpass). Wir haben dies später auch noch im Detail nachgemessen.

 Mivoc nutzt zudem einen einfachen Subsonic-Filter (HPF), der bereits etwas unterhalb von 30 Hz greift, um den Subwoofer und vor allem die Endstufe zu entlasten sowie einen etwas “trockeneren” Sound zu erzielen. Damit ist jedoch auch die Angabe der unteren Grenzfrequenz von 20 Hz im Dateblatt Makulatur, wie wir später noch sehen werden.

Da man letztendlich umso mehr Energie aufwenden muss, je tiefer eine wiederzugebende Frequenz ist, ist so ein Kniff nicht nur nützlich, sondern meist auch für den Anwender akustisch von Vorteil. Die 20 Hz sind am Ende ja eh nur noch eine Luftvertelung im Raum, die kaum oder gar nicht mehr hörbar ist, wenn man nicht gerade Elefant ist. Nur hätten wir uns den Filter etwas tiefer gewünscht.

Das Netzteil setzt auf einen Ringkerntransformator, der mit einer Nennleistung von 90 Watt angegeben ist. Und nachdem wir schon gemerkt haben, dass das Marketing beim Frequenzbereich schummelt, wurden wir gleich noch einmal hellhörig. Im Datenblatt gibt der Hersteller 120 Watt Sinus als Ausgangsleistung an, die das Netzteil definitiv nicht liefern kann. Auf der Homepage liest man dann auch von 120 Watt R.M.S., was alles und nichts heißen kann.

Deshalb waren wir neugierig und haben einfach einmal nachgemessen: Die Mono-Komplementärendstufe – bestehend aus einem Pärchen mit einem TIP36C (PNP) und einem TIP35C (NPN) im Gegentakt-Betrieb – schafft in dieser Beschaltung eine Sinusleistung von maximal 75 bis 78 Watt, wobei die Impulsleistung dank des recht “weichen” Netzteils (hohe Kapazitäten) durchaus auch schon einmal kurzzeitig über 80 Watt liegen kann.

Mehr geht jedoch nicht, solange man einen akzeptablen Klirrfaktor anstrebt, den wir als Grenzwert für uns noch subjektiv als gut befunden haben. Die beworbenen 120 Watt sind jedoch das Resultat einer etwas zu optimistischen PR und finden in der Realität definitiv nicht statt – zumal die beiden Transistoren auch nur für eine maximale Verlustleistung von 125 Watt zertifiziert sind und die Kühlung wohl auch keine größeren Leistungssprünge mehr hergibt.

Ähnliche gestaltete Verstärkermodule wie der hauseigene AV80, die man auch als Bausätze kaufen kann, entsprechen ebenfalls eher der 75- bis 80-Watt-Klasse.

Trotz dieser Kritik am Marketing-Gebahren des Anbieters muss man fairerweise zugeben, dass ein Eigenbau in dieser Preisklasse kaum billiger gekommen und besser geworden wäre, was sehr eindeutig für den Mivoc Hype 10 G2 als gutes Preis-Leistungs-Angebot spricht.

Aber genug der Vorbetrachtung – schauen wir uns nun an, was die Messungen in unserem Akustikraum offenbaren.

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S
Stele77

Neuling

7 Kommentare 2 Likes

Danke nochmal für den Test, habe damals deswegen den Mivoc gekauft (für noch 99€ UVP, heute 149€) und nicht bereut.

Tut jetzt bei meiner Schwester immer noch gute Dienste.

Allerdings würde Ich nun doch gerne selber wieder selber einen Sub haben. Einen Test und Empfehlung eines Preis-Leistungs-Krachers wie den Mivoc mit mehr Präzision im Tiefbass im Bereich bis 200 € wäre super. Der Markt hat sich ja weiterentwickelt, und der Mivoc ist nun ja nun auch nicht mehr konkurrenzlos.
Die Budget-Audio-Reviews waren mit ein Grund warum ich vor Jahren Stammleser auf Tom's Hardware Germany geworden bin.

Bitte mehr Budget-Audio Reviews und Empfehlungen!

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SKYNET

Urgestein

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schau mal bei klipsch und jamo, und +/- 300€ wirst wohl ausgeben müssen.

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M
Monstranz

Mitglied

38 Kommentare 12 Likes

Ich habe mich von solchen Subwoofern verabschiedet. War nie zufrieden mit der Übernahme zu den Tief-Mitteltoenern. Die internen Weichen am Verstaerkermodul zu unflexibel. Hab dann entschlossen was eigenes zu bauen. Dachte fuer erste Gehversuche reichen zwei 15LB075-UW4. 2 Gehaeuse 100L Bassreflex symuliert, passt. Die Pa-Chassis haben vollen Pegel bei 48Hz, wenn es tiefer gehen soll, einfach einen Boost einstellen. Die Chassis koennen das ohne aus dem Tritt zu geraten. Verstaerker eine PA-Endstufe mit Trafonetzteil und modifizierter Lueftersteuerung. Soll nicht hoerbar sein. Weiche ein kleines Kaestchen was sich ueber USB einstellen laesst. Sehr umfangreich, Moden mit Notch-Filtern mildern etc. Filterguete und Art unter den Klassischen waehlbar.
Stereo deshalb, weil ich bin der Meinung das dadurch Aufstellungsprobleme weniger zum Tragen kommen und die Subwoofer nicht verortbar sind. Ist schon ein Genuss wenn 2 15" Chassis einen anpusten. Mehr Live geht nicht. Als naechste werden die guenstigen Baesse durch welche mit um 3% Effiziens getauscht. Bin noch auf der Suche nach welchen die nicht gerade ueber 300 das Stüeck kosten.
Mit REW (kostenlos) beschaeftigen und ein gutes Microfon (mittlerweile sehr guenstig) sich besorgen. Da kann man sich das Droehnen oder falsche Phase ansehen ;-).
Gehoere zwar nicht der Elektrofraktion an, aber eine Doppel Fussmaschine an der Bassdrum hinkt bei den wulstigen Gummisicken und "schweren" Membranen auch hinterher.
Momentan bin ich an 2 Sateliten mit 8" PA -Chassis und 1" Treiber mit Horn. Mal schauen ob man Live Bühne damit bekommt.

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b
butch111

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Ich habe 2 davon in meinem kleinen Büro (12m²) laufen. Die machen da verflucht viel Druck und spielen unglaublich knackig/sauber für die par cents die die kosten. Volle Empfehlung.

Im Heimkino hab ich ganz andere Kaliber auf passiv umgebaut an gebrückten 2400 Watt PA-Endstufen - aber PL-Verhältnis dagegen ne glatte 6 :-))

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Igor Wallossek

Format©

5,375 Kommentare 8,316 Likes

Audio kostet so einige innere Organe. :D

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k
kermit_nc

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Kostengünstig und kompakt geht auch mit mehreren kleinen parallel.
Z.B. 4x Reckhorn D-165i impulskompensiert (jeweils 2 gegenüber parallel geschaltet) in netto 60liter geschlossen je Seite.
Hoher Wirkungsgrad, schnell und die Membranfläche entspricht fast einem 15Zöller. Preis ca 140EUR je Seite + Holz und Co.

Ich selbst messe mit der REW Software und meinem neuen miniDSP UMIK-2 Mikrofon, dass mein altes UMIK-1 abgelöst hatte.
Wenn es beruflich wieder ruhiger wird, muss ich noch mein Review erstellen und bei Igor online veröffentlichen, um mein Versprechen einlösen.

Demnächst fange ich mit einem aktiven miniSub mit 2 impulskompensierten 16cm Bässen in einem Würfel mit 25cm Kantenlänge an. Baubericht und Review inklusive.

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M
Monstranz

Mitglied

38 Kommentare 12 Likes

Ja die geringe bewegte Masse ist von Vorteil. Die Chassis auf ein gemeinsames Volumen arbeiten zu lassen bedingt eine geringe streuung der Parameter. Parallel beschalten ist da Pflicht. Bassisten schwoeren ja auf 2 oder 4x 10", sollen schneller, impulsiver wirken. Bin Fan von geschlossenen oder Horngeladen Baessen. Bassrefelx erzeugt immer so etwas mulmiges im Bereich des Arbeitsbereiches des Resonators oder einen Plopp durch eine schmalbandige Abstimmung des Resonators. Hab da immer den Eindruck als wuerde da Backstage noch was rum eiern. Da ich Wandnah aufstelle, koennte geschlossen was werden, bedingt aber alle Chassis auf eine Ebene.
Der D-165i finde ich nicht so prickelnd. Wirkungsgrad bescheiden wegen der doch schweren Membrane. Werde was mit Chassis machen die kein FS von 28Hz haben ("Impulseantwort").

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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