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Google vermasselt den Stadia-Start: Die Industrie hält gespannt den Atem an

Es passiert nicht allzu oft, dass Google einen Produktstart so vermasselt, wie bei Stadia. Das „Netflix für Games“ soll es sein bzw. noch werden. Im Vorfeld gab es einige recht vielversprechende Ersteindrucke, meistens von renommierten Spielemagazinen. Nun ist Stadia gestartet und enttäuscht Early Adopter und Gaming-Fach-Presse.

Game Streaming ist nicht neu. Schon 2009 hat damals OnLive auf der GDC einen Vorläufer von Google Stadia vorgestellt. In Zusammenarbeit mit HTC (hier lesen) sollte OnLive ein Streaming von Games auf mobile Geräte ermöglichen. Das war, als Tablets noch ein ganz heißes Ding waren. Die Partnerschaft fruchtete jedoch nicht und so schaltete OnLive im Jahr 2015 seine Server aus. Dann wurde es still um solche Dienste. Während die nächste Konsolengeneration eingeläutet wurde und AMD an jedem Verkauf profitierte – Konsolen haben die Ryzen-Entwicklung mitfinanziert (Theorie) –  basstelten Microsoft, Sony und co. im Stillen an dem Game Streaming weiter. Um sogar genauer zu sein, sollte ich erwähnen, dass Sony einen der größten Mitbewerber von OnLive einfach aufgekauft haben: Gaikai.

Mit der Technologie in der Tasche veröffentlichte Sony Playstation Now. Microsoft will mit xCloud kontern. Die nächste Konsolengeneration könnte nur einen überschaubaren Hardware-Sprung machen, dafür aber eine tiefe Integration von Cloud-Diensten bieten. Ähnlich wie bei Netflix zahlt der Nutzer einen monatlichen Fixbetrag und erhält Zugriff zu einem vielseitigen und wachsenden Angebot an Inhalten, in diesem Fall Games. Auch Valve arbeitet an einem Streaming Dienst für die Steam-Plattform.

Den Anfang hat nun also Google versucht, die mit Stadia ein geräteunabhängiges, digitales Ökosystem zu etablieren, mit dem Spiele gestreamt werden können. Manch einer prophezeite da schon das Ende des PCs und den Untergang der Hardware-Industrie. Und hey, vielleicht wird es ja eines Tages auch so kommen. Doch für den aktuellen Zeitpunkt ist Stadia gescheitert. Zu hohe Latenzen zwischen Controller- bzw. Tastatur-Eingabe und Bildschirmausgabe, viel zu geringer Funktionsumfang und eine umständliche Verwaltung von mehreren Geräten sind einige der negativen Meldungen, die es zum Dienst in vielen Foren zu lesen gibt.

Beeindruckend und erschreckend zugleich ist die Tatsache, dass ein solch großer Player wie Google den Start der „Spielerevolution“ vermasselt. OnLive seinerzeit hatte nicht die Infrastruktur, die Google zur Verfügung steht. Dennoch treten beim Start von Stadia solche Probleme auf. Da liegt unter anderem daran, dass nicht jeder in den Genuss einer Glasfaserleistung kommt und dass das Internet durch die Eltern – die eben nicht zocken – in dem Minimalstbereich gebucht wurde. Oder das passende Endgerät ist nicht 4K- und HDR-fähig. Aber gut, dass kann auch uns PC-Spieler treffen.

Als Reaktion auf den missglückten Marktstart haben sich die Mitbewerber metaphorische Maulkörbe verpasst und werden bestimmt die eine oder andere Marktanalyse neu bewerten müssen. Dennoch wird Game Streaming kommen. Wer sich als Netflix für Games etablieren wird, muss sich noch zeigen. Konsolen und PCs sind auch nach Jahren parallelen Bestehens nicht wirklich zusammengewachsen. Die Konsolen schotten sich mit Exklusivtiteln ab, die sie dann mit Frameeinbrüchen auf 4K hochskalieren. Die PC-Industrie feiert die neueste CPU mit dem drölfsten Kernen, die aber gar nicht verfügbar ist und vielleicht auch nach Wochen des Marktstartes nicht in den heimischen High-End-PCs laufen wird.

An uns ist Statia gewissermaßen vorbeigegangen. Zum einen waren wir ziemlich fleißig … hier ist eine Liste der lesenswerten Reviews:

Zum anderen äußern wir zwar unsere Eindrücke zu Games …
hier: Need for Speed Heat – Der Most Wanted Underground mit Burnout-Garantie und Paypack fürs Carbon
und
hier: Rage 2 im Test – Erste Eindrücke zum Spiel und Benchmarks mit verschiedenen Setups
und
hier: Far Cry New Dawn – Alles so schön lila hier (und 25 Grafikkarten im Schnelldurchlauf) | igorsLAB

Aber unsere Kompetenzen liegen dann doch in der Hardware. Eventuell ja genau die, die Stadia überhaupt möglich macht. NVIDIA Grid ist über die vergangenen Jahre recht still und heimlich in die Enterprise-Welt eingezogen, stellt virtuelle Arbeitsplätze für Großunternehmen zur Verfügung. Noch läuft der GPU-Markt ziemlich gut, NVIDIA ist Marktführer. Aber da ist ein wildgewordenes AMD, dass gerade ziemlich beeindruckend von dem Intel-Markt-Kuchen genascht hat. Wer weiß, was der Vollausbau von Navi bringen wird. Dass sich NVIDIA schon jetzt in Stellung für eine GPU-Erweiterungskarten-freie Zeit bringt, lässt den Respekt vor das innere Auge rufen, den die Hardware-Industrie vor der Zukunft – also den Netflix und Stadia-ähnlichen Diensten – hat.

Wann diese Zukunft sein wird, können vielleicht einige selbsternannte und hochgelobte Analysten voraussagen. Bevor es soweit ist, muss sich noch ein anderer Markt bereiten: VR. Nächstes Jahr will Apple eine entsprechende Brille in den Handel bringen. Valve will SteamVR promoten und stellt mit Half-Life: Alyx ein VR-Exklusive vor. Wer jetzt lächelnd den Kopf schüttelt und sich denkt „das wird doch eh nichts!“, sollte sich daran erinnern, dass Half-Life 2 ein Steam-Exklusive war. Damalige Experten haben von einer Todgeburt gesprochen. Völlig am Markt vorbei entwickelt – hieß es Anfang 2004. Heute ist Steam von kaum einem Gaming-PC wegzudenken. Ob der Epic Gameshop eines Tages um einen Epic Game Stream Service erweitert wird? Bestimmt.

Aber Stadia ist gescheitert. Zumindest für jetzt. Google hat aber keine Zeit, sich lange die Wunden zu lecken. Während die Kinderkrankheiten durch die Entwickler beseitigt werden, arbeitet das G-Sales-Team bereits daran, weitere Länder anzubinden. Völlig unbeachtet agiert derzeit Alibaba, die eine DSGVO- bzw. GDPR-konforme Mobile Gaming  Cloud-Lösung haben. Das Whitepaper gibt es übrigens hier. Für 2020 kann dann auch noch Amazon hinzugesellt werden, denn Spiele aus der Wolke sollen ein Bestand des „Prime“-Paketes werden. Das riecht nach einer Preiserhöhung! Ich tippe auf 124,99 USD.

Die nächste Blase oder die Evolution? Was denkt ihr?

Game-Streaming: Zukunft oder Blase?

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Jakob Ginzburg

Redaktion | Geschäftsführung | Vermarktung

Meistens eher im Hintergrund unterwegs, kümmere ich mich um den Geschäftsbetrieb und schreibe hin und wieder News sowie Reviews.