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Farbenfroher Beginn einer neuen Ära – Corsair Dominator Platinum RGB DDR5-5600 CL36 2x 16 GB Kit Test mit OC und Teardown

Da es aktuell noch keine mit DDR5 kompatible Version des Thyphoon Burners gibt, der Software, die ich bei DDR4 gerne zum Auslesen des SPD verwendet hatte, müssen wir uns heute anders behelfen. Glücklicherweise gibt es zu den Asus Maximus Boards das „Worktool“ bzw. “Tool.exe”, mit der diverse Komponenten der Z690 Plattform aus dem OS heraus überwacht und gesteuert werden können, wie auch der SPD von DDR5. Die Darstellung ist zwar etwas spartanisch bzw. kryptisch, aber die wichtigsten Informationen können wir so trotzdem gewinnen.

Im Topology Tab finden wir grundlegende Informationen zur Organisation der Speicherbausteine. Die Kapazität wird hier mit 16 GB angegeben, wobei wohl eigentlich 16 Gb also Gigabit gemeint sein dürften. Jeder dieser Dies hat 16 Reihen und 10 Spalten, in die die Speicheradressen unterteilt sind. Die Bit Organisation des IO wird hier auch wieder als x8 angegeben, wodurch sich 4 Dies je Subchannel, bzw. 8 Dies pro Channel ergeben. Da die Module insgesamt jeweils 8 Dies verbaut haben, handelt es sich also um single-rank Module. Jeder Die bzw. IC enthält 8 Bank Groups mit jeweils 4 Bänken, was meine vorige Annahme von 32 Bänken insgesamt bestätigt. Die Informationen sind auf „First SDRAM“ und „Second DRAM“ Sektionen aufgeteilt, was darauf hindeuten könnte, dass die Subchannels bei DDR5 theoretisch auch unterschiedlich bestückt sein könnten. Weiter unten finden wir noch die Infos zu den beiden 32-bit breiten Subchannels.

Im Timings Tab finden wir wie üblich nur die Spezifikationen gemäß JEDEC, wie sie von Samsung ursprünglich für diese Speicherchips konzipiert wurden. Die nominale Taktrate von DDR5-4800 wird hier mit Timings tCL 40, tRCD 40, tRP 40, tRAS 77, tRC 117, tWR 72, tRFC1 708, tRFC 384, tRFC3_SB 312 angegeben. Obwohl zusätzlich unterstützte und damit implizit auch nicht unterstützte Werte für tCL angegeben werden, scheint dies in der Realität nach meinen Erfahrungen keine Bewandtnis zu haben. Es funktioniert z.B. auch tCL 34 problemlos. An dieser Stelle ist noch einmal wichtig zu erwähnen, dass DDR5 offiziell nur gerade Werte für die tCL unterstützt.

Im Mfg Tab finden wir nicht etwa freundliche Grüße, sondern die Hersteller der verschiedenen Modul-Bauteile als Identifikationsnummer im Hexcode. B10 dürfte somit für ANPEC stehen, 29E für Corsair und 80CE für Samsung. Die ID 80B3 des SPD-Herstellers dürfte für Renesas stehen, womit das Geheimnis dieses Chips auch gelüftet wäre (Danke meilodasreh! 😉 ). Auch hier wird nochmal bei DRAM Stepping die Revision B aufgelistet, was für die bereits entlarvten „B-Die“ ICs stehen könnte.

In der XMP 1 Sektion finden wir nun das vollständige XMP Profil und einige interessante Infos zum PMIC. Es ist 1 PMIC des Typs „XMP (OC) PMIC“ verbaut, was zum einen darauf hindeutet, dass DDR5 Module auch mehrere PMICs haben könnten, z.B. für Dual-Sided Layouts, und zum anderen, dass die Spannungen VDD und VDDQ mit diesem PMIC über die von JEDEC limitierten 1,435 V angehoben werden können. Des weiteren finden wir hier die Info, dass die empfohlene Modul-Konfiguration für dieses Profil „1DPC“, also 1 DIMM-Modul pro Channel, ist. 2 identische DDR5 XMP-Kits auf einem 4-DIMM Mainboard im Dual-Rank zu betreiben, wird also nicht empfohlen und funktioniert auch laut meinen Tests nicht ohne weitere manuelle Einstellungen. Weiter werden Dynamic Memory Boost und Real-Time Memory Overclocking unterstützt.

Das vollständige XMP 3.0 Profil wird zudem angegeben mit folgenden Spannungen: 1800 mV VPP, 1250 mV VDD, 1250 mV VDDQ und 1200 mV MC Voltage. Letztere wird übrigens im Asus BIOS nur geladen, wenn die „XMP II“ Option ausgewählt wird. Dies setzt aber auch voraus, dass der Wert vom RAM-Hersteller im SPD einprogrammiert wurde, was Corsair vorbildlich getan hat. Die effektive Frequenz ist als 5593 MT/s angegeben mit Timings tCL 36, tRCD 36, tRP 36, tRAS 76, tRC 112, tWR 84, tRFC 825, tRFC2 448, tRFC_SB 364 und CMD Rate Rsvd, wobei letztere für den Plattform-Standard 2T stehen dürfte.

Heatsink-Test

Natürlich darf ein Test der Kühlkörper auch wieder nicht fehlen, denn dieser ist mit DDR5 nicht weniger wichtig geworden. Und auch weil die Hersteller der aktuell verfügbaren DDR5 Speicherchips keine Temperatur-Sensoren auf dem Package integrieren, ist die Messung der „SPD Hub Temperature“, wie sie in HWinfo ausgelesen werden kann, nicht zwangsläufig indikativ für kühl und damit stabil laufende Speicherchips weiter unten auf der Platine, wie Igor bereits gezeigt hatte.

In unserem Test kommt wie immer die TestMem5 v0.12 Software mit dem Profil „[email protected]“ zum Einsatz aufgrund seiner hohen und konstanten thermischen Belastung. Zur Messung wurde ein Typ K Temperaturfühler mittig auf dem wärmeren Modul auf Höhe der Speicher-ICs, zwischen Platine und Kühlkörper angebracht. In einem Interval von 500 ms wird das Delta zur Raumtemperatur gebildet und der Verlauf geplottet bis der Höchstwert im Testlauf erreicht wurde.

Getestet wurden die Module im XMP Profil mit 1,25 V VDD und VDDQ Spannung und im übertakteten Zustand mit jeweils 1,38 V (Details dazu später). Zudem wurde die Konfigurationen jeweils mit passiver und aktiver Kühlung getestet. Letztere ist mit einem 120 mm Lüfter umgesetzt, der direkt auf den Modulen aufliegt und Luft nach unten Richtung DIMM-Slots bläst. Da das Asus Maximus Z690 Apex Mainboard zwei DIMM Slots besitzt, befinden sich die Module direkt nebeneinander, ohne einen Slot Abstand wie es auf 4-DIMM Mainboards vorkommen würde, was die Aufgabe für die Kühlkörper zudem erschwert. Es wurden jeweils zwei Testläufe durchgeführt und der mit der höheren Höchsttemperatur behalten.

Das wichtigste vorweg, alle Konfigurationen, auch die passiv gekühlten überstehen den TM5 ohne Fehler. Der Kühler der Corsair Dominator Platinum RGB Module leistet also gute Arbeit. Sowohl der Unterschied von passiver zu aktiver Kühlung, als auch der Unterschied bei der Spannung macht sich deutlich im Test bemerkbar und ohne aktive Kühlung sollte man die 1,4 V Grenze wohl nicht überschreiten – so viel kann ich schon mal vorweg nehmen. Ich lasse die Ergebnisse mal so stehen, denn auch uns fehlt noch die Referenz zu anderen DDR5-Kits mit ähnlichen Spannungen und Taktraten. Aber sicher ist, auch wenn DDR5 vermeintlich effizienter bei gleicher Leistungsaufnahme geworden ist, ist die Abwärme noch immer nicht zu vernachlässigen.

 

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ApolloX

Veteran

468 Kommentare 203 Likes

Danke für die Morgenlektüre, deine Expertise ist beeindruckend!

Einmal bin ich nicht so mild wie du:
“Die Module sind also eher weniger kompatibel mit Luftkühlern, die die DIMM-Slots überhängen. Andererseits würde man seine leuchtkräftigen RGB RAM-Module wohl ohnehin nicht verdecken wollen.” – das gilt für den bewussten Neukäufer, aber als 2nd-Hand-Käufer trieben mir die großen RAMs schon öfters mal den Zorn ins Gemüt. Und in Zeiten von Lieferengpässen kann man sich als Erstkäufer auch nicht immer aussuchen, ob mit oder ohne LEDs – als Zweitkäufer erst recht nicht, wenn man über EKA auch mal gern ich Gehdistanz kauft. Also ganz irrelevant seh ich das nicht.

In Summe aber einmal mehr ein Indiz, dass die neue Intel-Plattform noch nicht für jeden was ist, eher aktuell noch was für die Early Adopter.

Auch lustig, dass ASUS ein Tool namen(lo)s „Tool.exe“ hat – das würd im Task-Manager auch echt niemandem komisch vorkommen in Zeiten von Cryptotrojanern & Friends… :rolleyes:

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Locutos

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11 Kommentare 10 Likes

Also ich les da bloß eines....warte noch 2 bis 3 Jahre mit dem Kauf eines DDR5 Systems. ;)

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HerrRossi

Urgestein

5,876 Kommentare 1,586 Likes

Danke fuer den Test, wirklich sehr aufschlussreich. Wer nur zockt, ist mit DDR4 immer noch sehr gut bedient, man darf gespannt sein, ab wie viel MT/s sich das wirklich bemerkbar macht.

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m
meilodasreh

Mitglied

77 Kommentare 14 Likes

Mein persönliches highlight des Artikels: Der Messschieber von Mitutoyo.
Natürlich eine Randnotiz abseits des eigentlichen - wie üblich toll und akribisch ausgearbeiteten - Themas der Speicherriegel.
Aber es freut mich zu sehen: Igor weiß offensichtlich auch außerhalb der mikroelektronischen Welt gute Qualität zu schätzen!

edit:
Beim "W2626" IC wäre mein Tip: DC/DC Wandler

SPD manufacturer code 80B3 = Renesas

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jahtari

Veteran

151 Kommentare 47 Likes

also ich mag die serie ja, aber wenn sie nicht an den timings arbeiten sollten sie mal drüber nachdenken, den namen zu ändern. in schnell gibts die meines wissens (zum. was ddr4 angeht) ja eher nicht. dominanz ist was anderes. ;)

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Megaone

Veteran

215 Kommentare 153 Likes

Wenn nicht noch länger. Mir sitzt das Geld für Hardware wirklich locker aber wer in Auflösungen über WQHD spielt hat kaum einen Nutzen von den ganzen neues Geraffel.

Vielleicht, wenn mir fad ist, tausche ich auf meinen x570er Board meinen 3900x irgendwann gegen einen 5950x aber dann sollte für viele Jahre Ruhe sein.

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M
Merkor

Mitglied

10 Kommentare 2 Likes

In dem Test wird geschrieben:

Was sagen die Mainboard- und Speicherhersteller (oder sogar Intel) denn dazu? Die Foren sind ja voll von Meldungen bzgl. dieses inkonsistenten Verhaltens, das durch mangelhaftes RAM-Training ausgelöst wird. Kann das überhaupt über Bestandteile des BIOS bzw. Microcodes durch Intel korrigiert werden oder sind wir hier einem Design-Fehler der Plattform auf der Spur, der Hardware-Anpassungen erforderlich macht?

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Onkel.Tom

Mitglied

13 Kommentare 0 Likes

Hallo Igor,

ein toller Test, vielen Dank dafür :)

Du testet ja leider nur zwei Spiele... Und nicht wirklich eine Anwendung... Vielleicht könntest Du noch h265 Software-Encoding, Linux compilieren, ein paar mehr Spiele, mit einbauen !?
AIDA64 bietet ja auch ein paar Anwendungsbechmarks...

Toll, dass Du auch noch den 3600-CL14 mit drin hast...

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Xaver Amberger (skullbringer)

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