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AVM FRITZ! Dect 302 im Test – Heizkosten rauf, Temperatur runter? Aber bitte schön smart!

Etwas Theorie vorab: Taupunkt und Taupunkttemperatur

Der Taupunkt steht für die Temperaturen, unterhalb derer die Feuchtigkeit in der Raumluft anfängt den Aggregatzustand zu ändern und sich somit als kondensiertes Wasser auf den Oberflächen eines Raumes niederschlägt. Die Taupunkttemperatur ist natürlich auch abhängig vom absoluten Feuchtegehalt. Je höher dieser ist, umso höher liegt am Ende auch die Taupunkttemperatur, was auch zu einer Endlosspirale bei falschem Heizen (und Lüften) führen kann. Ich will das an dieser Stelle jetzt nicht verkomplizieren, aber kühl und sparsam klappt nur, wenn die Raumluft wirklich trocken ist.

Wer hier glaubt, mit weniger als 16 °C in ungenutzten Räumen gut hinzukommen, der sollte wirklich auch die Raumfeuchtigkeit permanent prüfen. Leider ist dies mit dem Dect 302 nicht möglich und man wird in solchen speziellen Räumen nicht umhinkommen, sich ein Hygrometer zu installieren. Ich habe in meiner Werkstatt sogar zwei davon, also eines innen und eines außen. Wenn ich sehe, dass die Luftfeuchtigkeit draußen deutlich höher ist, lasse ich das Fenster besser zu bzw. nutze nur die Stoßlüftung. Das gilt auch bei sehr großen Temperaturunterschieden. Genau deswegen ist es ja geradezu dumm, einen feuchten Keller im Sommer mittels Durchlüftung trocknen zu wollen. Das wird immer schief gehen, es sei denn, man wohnt in Dubai und nutzt dafür Sahara-trockene Luft.

 

Individualisierung des Dect 302 und Anpassung an das geplante Nutzerverhalten

Jetzt wird es erstmals spannend, denn vor der Feinarbeit steht immer das obligatorische Firmware-Update an.  Einfach sehen und klicken…

… dann natürlich warten. Da der Refresh beim Statuswechsel nicht immer gleich erfolgt, kann man gern auch zwischendurch mal auf das links befindliche Menü „Geräteverwaltung“ klicken. Das Update kann durchaus ein paar Minuten dauern, also bitte nicht verzweifeln…

…denn irgendwann ist auch das geschafft! Und ich kann nur dazu raten ERST das Update durchzuführen und dann den Dect 302 zu konfigurieren. Man kann übrigens auch mehrere Dect 302 gleichzeitig updaten, muss aber trotzdem auch ordentlich Geduld mitbringen.

Jetzt kommen die Taufe und die Erziehung, also die Namensvergabe und die Marschrichtung ins smarte Thermostaten-Leben. Beginnen wir zunächst mit einem aussagefähigen Namen.

Danach legen wir die Temperaturen fest. Die „Absenktemperatur“ ist die Temperatur, die wir außerhalb der Heizperioden („Komforttemperatur“) zulassen wollen, also die Untergrenze. Bitte achtet einerseits auf den Frostschutz (auch wenn der Dect 302) hier eine eingebaute Sicherheitsfunktion besitzt. Außerdem  muss man auch den Taupunkt beachten, denn zu kalte Räume werden schnell anfällig für Schimmel (siehe oben). Man wählt sich einfach einen „Temperaturpinsel“ und markiert oder entfernt die Bereiche, wann geheizt werden soll. Leider kann der Dect 302 nur zwei Temperaturzustände, auch wenn man z.B. tagsüber, wenn man sich im Raum eher bewegt oder abends, wenn man sich erholt, gern zwei Ziel-Temperaturen gehabt hätte (Arbeiten und Erholen).  Das ist aus meiner Sicht der größte Mangel am Dect 302 und beim aufgerufenen Preis eigentlich unverständlich. Das können einige China-Kracher bereits besser.

Darüber hinaus kann man die Teile quasi auf Eis legen und eine komplett heizungsfreie Zeit definieren. Die Empfindlichkeit mit der Erkennung eines offenen Fensters ist etwas tricky. Je nach Fensterbrett und Überhang liegt der Dect 302 leider im „Windschatten“, so dass die Reaktion auf eine plötzliche Temperaturänderung so nicht funktioniert, egal was man einstellt. Dann muss man für diese Heizung einen externen Thermostaten nutzen. Es wird auch problematisch, wenn man z.B. zwei Heizkörper (oder mehr) im gleichen Raum in einer Gruppe zusammengefasst hat. Das „Vererben“ solcher Informationen scheint hier noch nicht wirklich für alle Thermostate der Gruppe zu funktionieren.

Man kann sich auch per Mail und dem Push-Service informieren lassen. Naja, wer es mag… Und nun? Fertig, das wars auch schon. Kompliziert geht wirklich anders.

 

Kommentar

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FfFCMAD

Veteran

431 Kommentare 77 Likes

640€? Das ist mehr als die Haelfte von dem, was ich letztes Jahr fuer Gas bezahlt habe. Wenn sich das lohnen soll muss sich die Spirale schon ne ganze Ecke drehen. Was sie wahrscheinlich auch noch wird. Spaetestens naechstes Jahr fliegt uns alles um die Ohren. Trotzalledem sind 80€ pro Thermostat ne Menge Holz und ich behaupte, das Einsparpotential ist gering.

Die Dinger laufen nicht ohne irgendeine Stromversorgung und außer das man aus der Ferne/ pro Thermostat die Raumtemperatur regeln kann bringen sie kaum Mehrwert ueber ein normales Thermostat und einer Heizungsteuerung, die auf Tageszeit reguliert.

Nebenbei bemerkt. Gas einsparen aber trotzdem mehr dafuer bezahlen... Ist eine geile Logik die wir hier antreiben. Aber das haben wir ja auch schon beim Wasser durch. Hier in Deutschland hat man uns ja schon das Sonntagsbad madig gemacht. Jetzt gehts ans Heizen/ Duschen und bald bestimmt man, was wir zu fressen haben.

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ssj3rd

Veteran

101 Kommentare 45 Likes

Bin seit vielen Jahren mit meinen Modulen von Homematic IP zufrieden.
3 Module + Basis + Wandmodul (mit Feuchtigkeitsmesser der Raumluft) haben mich damals knapp 110€ gekostet, Dank mydealz 😏

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ApolloX

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808 Kommentare 402 Likes

Diese Überlegungen hab ich mir vergangener Woche auch gemacht, aber da die Thermostate grad fast teuer als Grafikkarten sind, verschiebe ich die Umrüstung auf kommendes Frühjahr.

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D
Deridex

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1,893 Kommentare 645 Likes

@Igor Wallossek
Was Akkus angeht:
Schau dir mal die Panasonic Eneloop an ;)

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n
noir.

Veteran

173 Kommentare 100 Likes

Ich habe zwei der Vorgänger im Einsatz. Kann dem ganzen Fazit in eigentlich nur zustimmen. Es funktioniert störungsfrei und zuverlässig und ist einfach einzurichten. Passt also insgesamt ganz gut in die AVM-Produktriege. Hat man noch Steckdosen von AVM im Einsatz, kann man auch diese als Temperaturquelle angeben. Ist ganz praktisch, wenn zB das Thermostat in einer Ecke sitzt und dort immer wärmer misst als es eigentlich ist. Batterien halten im Schnitt 2 Jahre bei mir mit 6x Auf/zu pro Tag.

Aber: Für den Preis gibts woanders deutlich mehr. Gerade mehrere Temperaturen sowie Luftfeuchtigkeit wären schon super. Ich warte mal ab was die Integration von Matter macht, ist ja angekündigt. Dann sollte auch die nutzbare Gerätevielfalt deutlich grösser werden. Ansonsten habe ich auch nur noch Homematic IP als evtl brauchbare Lösung auf dem Schirm.

Wobei zumindest für mich die meisten Systeme absolut nutzlos sind. Ich hab ne 10-Tage-Woche mit 2x Frühschicht, 2x Spätschicht, 2x Nachtschicht und 4x Frei. Wenn ich dann nur Montag bis Sonntag programmieren kann, ist das ganze schon von vornherein nicht zu gebrauchen.

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Kleine-Eule73

Mitglied

29 Kommentare 27 Likes

Ich überlege auch schon seit Monaten ob ich mir so smarte Heizungsregler kaufen soll. Einsparungen sind ja erstmal nicht schlecht, aber bei den Preisen vergeht mir echt die Lust

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S
SaschaT

Mitglied

18 Kommentare 7 Likes

Also ich hab noch das etwas ältere Modell mit nur 2 Batterien.

An sich kann ich der Allgemeinheit nur zustimmen: Teuer, dafür Benutzerfreundlich.

Jetzt mein großes ABER (Im Bezug auf den Vorgänger. Es wäre interessant zu wissen, wie es beim neuen Modell aussieht) :
Bei mir sind nun schon 2mal die Batterien leer gegangen, ohne dass ich zuvor eine Benachrichtigung von meiner FritzBox bekommen habe.
Eingerichtet ist aber alles korrekt, Benachrichtigungen funktionieren ansonsten normal und es sind hochwertige Batterien in Verwendung (Mit vielen billigeren oder älteren Batterien funktionieren die Thermostate erst gar nicht).

Jetzt kommt man nach Hause, die Batterien sind leer und man denkt man läuft gegen eine Wand. Die Thermostate sind sooooooooo SMART, dass Sie bei leereren Batterien einfach mal das Ventil vollgas bis zum Umfallen komplett öffnen !!!

Tolle Technik ... so kann man sich "smart" auch sparen. Ich weiß leider nicht, wie das bei anderen Herstellern aussieht?

Vielleicht wäre vielleicht auch noch das "Shelly TRV" eine interessante Alternative mit eingebautem Akku:
- keine Cloud notwendig, optional dennoch möglich
- Integration über MQTT oder REST in ziemlich viele "Smart Home Lösungen" möglich
- steuerbar auch von "Unterwegs" auf mehrere Arten einfach möglich

Ansonsten versuche ich aber mittlerweile nur noch auf Geräte mit "Tasmota"-Firmware im Smart Home zu setzen.
Leider ist mir dafür aber kein Heizthermostat bekannt.

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R
Rantanplan

Neuling

5 Kommentare 6 Likes

Ein Hinweis, da vereinzelt der Arbeitsweg der Regler nicht ausreichend lang ist (bei mir bei zwei älteren Heizkörpern):
Ich habe die Vorgänger (Comet DECT) und es passt jeweils sehr gut ein 2ct-Stück in den Adapter, so dass der Weg verkürzt wird und die Motoren das öffnen/schließen besser schaffen.

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FfFCMAD

Veteran

431 Kommentare 77 Likes

Joa. Ich habe uebrigens generell ein Problem damit, chemische Energietraeger in die Naehe einer Heizung zu bringen. Das Thermostat wird nicht unwesentlich warm. Aber moeglich ist das.

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ArcusX

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584 Kommentare 312 Likes

Die batteriebetriebenen Thermostate öffnen sich so meine ich alle bei niedrigem Batteriestand.

Liegt am Frostwächter so wurde mir mal erklärt.

Ich habe jetzt schon seit einigen Jahren AVM Fritzdect 301 an meinen Heizkörpern und soweit keine Probleme. Damals war auch die Idee eine etwas größere Lösung in Richtung homematic zu nehmen. Aber mir war dann letztendlich eine schnelle einfache Lösung lieber. Die Erinrichtung ist wirklich sensationell einfach ohne dass man vorher 20 Guides Anleitungen oder Tutorials wälzen muss.

Der Tipp mit dem 2ct Stück ist vielleicht noch eine Idee. Dann muss der Motor weniger tun.

Das Thermostat selber wird übrigens nicht sonderlich warm, so dass ich weder mit Batterien noch Akkus Sorgen hätte.

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B
Besterino

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5,968 Kommentare 2,730 Likes

Hab seit Jahren Homematic an allen Heizkörpern - hat unsere Kosten spürbar gesenkt.

Und Eneloops sind nach meiner (nicht mehr ganz frischen - ich kenn die noch als Sanyo) Erfahrung quasi das non-plus-Ultra der Akkus.

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Igor Wallossek

Format©

7,217 Kommentare 11,855 Likes

Siehe Artikel. Die gehen eben NICHT. Auch die Pro versagen. Leider. Die halten 5-6 Monate bis zur starken Selbstentladung. Die sind dann unter 1V und die Elektronik spinnt. Motor geht nicht mehr so recht

View image at the forums

Ich hatte die auch in meinem Blitz, mal ohne Nutzung reichlich 5 Monate drin, Blitz aus. Zweimal geblitzt alle.

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D
Deridex

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1,893 Kommentare 645 Likes

Komischerweise halten die bei mir im Multimeter Jahre. Eventuell haben da manche Gerätschaften Ruhestromprobleme.

Auch der Hersteller der Eneloops spricht von einer niedrigeren Selbstentladung.

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k
kraehe82

Neuling

2 Kommentare 0 Likes

@Igor Wallossek, korrigierst du noch deine FritzBox 4600 in 4060. Ich dachte schon AVM hat was neues. :-)

Vielen Dank für den tollen Artikel.(y)

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FfFCMAD

Veteran

431 Kommentare 77 Likes

Dann waere ich fast dafuer, Lithium-Batterien zu nehmen. Die sind dann auch wirklich leer, wenn nichts mehr geht.

PS: Besser als Alkaline sind die allemal, weil wenn ich die Vartas sehe > Auslaufen garantiert. Speziell die Industrial-Dinger in den Großpackungen hatte ich oefters als ueble Kotzbrocken in Geraeten. Der Preis ist jedoch so eine Sache. Die machen nur Sinn, wenn bis zum Schluss die 1,4 - 1,5 Volt gehalten werden sollen. (Kameras/ Motoren etc)

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About the author

Igor Wallossek

Chefredakteur und Namensgeber von igor'sLAB als inhaltlichem Nachfolger von Tom's Hardware Deutschland, deren Lizenz im Juni 2019 zurückgegeben wurde, um den qualitativen Ansprüchen der Webinhalte und Herausforderungen der neuen Medien wie z.B. YouTube mit einem eigenen Kanal besser gerecht werden zu können.

Computer-Nerd seit 1983, Audio-Freak seit 1979 und seit über 50 Jahren so ziemlich offen für alles, was einen Stecker oder einen Akku hat.

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