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AMD stellt großes Treiber-Update vor: Adrenalin 2020 Edition

Zum Ende dieses Jahres wird AMD – laut Gerüchten - nicht nur eine neue Grafikkarte vorstellen, sondern hat auch den passenden Grafiktreiber vollumfänglich aktualisiert. Die Adrenalin 2020 Edition bietet neben einigen Optimierungen und Komfortfunktionen, auch eine Vielzahl an neuen Features für erfahrene(re) Nutzer.

Schon bei der Installation des 2020 Treibers gibt es die ersten Neuerungen zu sehen: Die Oberfläche bietet nun die Möglichkeit, alle empfohlenen Pakete mit nur einem Klick zu installieren und bietet so laut AMD die optimalen Werkseinstellungen. Erfahrene Nutzer greifen zu einer individuellen Installation, bei der Komponenten und Funktionen ab- bzw. ausgewählt werden können. Ebenso bietet AMD nun eine Funktion, die bereits beim Grafikkartentreiber von NVIDIA vorhanden und überaus praktisch ist: Die vollständige Neuinstallation des Treibers inklusive Beseitigung alter Spuren. Laut AMD geht die gesamte Installation rund ein Drittel schneller vonstatten.

Ist der Treiber einmal installiert, begrüßt die Oberfläche den Anwender mit einer Auswahl dreier Profile. Damit sollen anwendungsspezifische Einsatzzwecke für die Grafikkarte besser abgedeckt und somit eine höhere Leistung aus dem System herausgekitzelt werden. Grundsätzlich gibt AMD die Empfehlung ab, auf das „Standard“-Profil zu setzen, bei dem ausschließlich FreeSync aktiviert und alle anderen Funktionen deaktiviert sind. Diese anderen Funktionen sind beispielsweise Enhanced Sync, Radeon Imagage Sharpening oder die 8-fache Tesselation.

  Standard Gaming eSports
FreeSync
Enhanced Sync
Radeon Image Sharpening
Radeon Anti-Lag
Virtual Super Resolution
8x Tesselation

Per „Alt + R“-Hotkey gelangt der Anwender in die AMD Radeon Software Oberfläche, ohne das Spiel beenden zu müssen. Über das Overlay werden weitere Funktion bereitgesellt, darunter die Möglichkeit einen Stream zu starten, die Aufzeichnung des Spielegeschehens vorzunehmen oder einzelne Leistungsparameter fein zu justieren. Im Desktop fungiert die Oberfläche als Launcher für Spiele und erlaubt eine individuelle Anpassung von Werten wie Auflösung, Detailgrad oder die bereits erwähnte Kantenglättung.

Neu ist auch die direkte Einbindung von AMD Link in das Overlay. Zu AMD Link komme gehe ich gleich noch ein.

Image Sharpening
AMD bohrt das Image Sharpening ordentlich auf und verbessert die Darstellung im Vergleich zum alten Treiber deutlich. Das wird u.a. durch einen Schärfefilter erreicht, der in jedem Titel und mit den APIs DirectX 11, 12 sowie Vulcan läuft. Grafikkarten, die auf der RDNA-Architektur basieren – also die RX 5700 (XT) und die RX 5500 können den Filter sogar mit DirectX 9 verwenden.

AMD verspricht einen deutlich höheren Detailgrad bei weniger als zwei Prozent Leistungseinbußen. Als Basis für das Feature greift das Unternehmen auf den Contrast-Adaptive Sharpening Algorithm (CAS) zurück, der der auch bei FidelityFX zum Einsatz kommt. Natürlich lässt sich Image Sharpening auch vollständig abschalten.

DirectML-Filter für rauschfreie Bilder und Videos
Ein weiterer AMD Filter setzt auf Direct Machine Learning (DirectML) und ist eine Low-Level-API für maschinelles Lernen. Das Unternehmen nutzt den Filter, um beispielsweise in CAD-Anwendungen die Darstellung von Objekten in der Bewegung zu optimieren. Aber auch in statischen Fotos sowie aufgezeichneten Videos soll der DirectML-Filter zum Einsatz kommen. AMD arbeitet bereits an der Integration in entsprechende Anwendungen.

Radeon Boost
Nicht ganz so vielseitig einsetzbar wie Image Sharpening, aber wesentlich beeindruckender ist Radeon Boost. Diese Funktion soll in ausgewählten Games für mehr Leistung und höhere Frameraten sorgen, indem bei Szenen mit Bewegungen die Render-Auflösung reduziert wird. Sobald die Bewegung beendet bzw. durchgeführt wurde, schaltet der Treiber die zuvor eingestellte Auflösung wieder zurück und bietet somit die volle Detaildarstellung. AMD gibt an, dass das menschliche Auge sowie die aktuelle Display-Technologie dazu beitragen, dass eine Reduzierung der Details bei Kamerabewegung im Spiel gar nicht bis nur geringfügig wahrgenommen werden.

Um nicht allzu viele Details zu verlieren und damit für ein schlechteres Spieleerlebnis zu sorgen, erlaubt AMD die Begrenzung der minimalen Auflösung. Standardgemäß sind 50% ausgewähnt. Je nach persönlicher Präferenz kann die Auflösung aber auch per Schieberegler angepasst werden. Das Unternehmen gibt eine handvoll DirectX 11-Spiele als kompatibel an:

  • Borderlands 3
  • Call of Duty: WWII
  • Destiny 2
  • GTA 5
  • Overwatch
  • PlayerUnknown’s Battlegrounds
  • Rise of the Tomb Raider
  • Shadow of the Tomb Raider

Laut internen Messungen von AMD sind mit einer Radeon RX 590 bei einer Auflösung von 2.560 × 1.440 durch den Radeon Boost bis 38 Prozent mehr FPS in Overwatch, bis zu 22 Prozent mehr FPS in PUBG und bis zu 10 Prozent mehr FPS in Rise of the Tomb Raider, zu erwarten. In anderen Games, darunter Destiny 2 und Shadow of the Tomb Raider, konnte AMD weniger als fünf Prozent mehr Frames erzielt.

Integer Scaling für Pxelart
Das Interpolationsverfahren „Integer Scaling“ ist nicht neu. Intel und NVIDIA haben die Funktionalität bereits seit einiger Zeit im Grafiktreiber integriert. Nun zieht AMD nach und glättet jeden einzelnen Pixel, was insbesondere bei Spielen mit Pixelart-Grafik hübsch aussieht. Kannten in 3D-Games sollten hingegen weiterhin mit Bilinearer Interpolation geschärft werden.

Anti-Lag auch unter DX9
Mit dem neuen Treiber führt AMD eine Unterstützung von DirectX-9-Spielen mit Grafikkarten vor der aktuellen RX-5000-Serie ein. Die Funktion Anti-Lag reduziert zusätzlich Eingabeverzögerungen (Input-Lag) und kann systemweit für alle Anwendungen und Games direkt im Treiber aktivieren oder deaktivieren werden.

Tuning-Overlay mit mehr Infos
Besonders gut ist AMD der überarbeitete Tuning-Bereich gelungen. Hier gibt es allerlei Informationen zum laufenden Game, darunter die durchschnittliche FPS, die Temperaturentwicklung der Grafikkarte sowie weitere relevante Parameter. Mit diesen Infos sollen Anwender die individuellen Einstellungen in Spielen feiner justieren und an das eigene System anpassen können.

Chromium-basierter Browser integriert
Wer in einem Spiel mal nicht weiterkommt und nach einer Lösung suchen will, der muss nicht mehr aus dem Spiel wechseln, um in Mozilla Firefox oder Google Chrome nach einer Lösung zu suchen. AMD hat einen Chromium-basierten Browser in die Treibersoftware integriert. Dieser lässt sich per „Alt + R“ Tastenkombination als Overlay aufrufen, während das Spiel weiterläuft.

Zum Download der AMD Adrenalin 2020 Edition (demnächst verfügbar): https://www.amd.com/de/support