Speicherpreise entwickeln sich gerade wieder zu dem Thema, das eigentlich niemand lesen möchte, aber jeder irgendwann an der Kasse spürt. Nach mehreren Quartalen mit kräftigen Anstiegen war die Hoffnung auf eine leichte Beruhigung zuletzt immerhin nicht völlig abwegig. ADATA-Chef Simon Chen sieht das offenbar deutlich pessimistischer. Laut Berichten sollen DRAM und NAND im dritten Quartal 2026 erneut kräftig teurer werden. TrendForce berichtet unter Berufung auf taiwanische Medien und Aussagen von ADATA-Chairman Simon Chen, dass Speicherhersteller ihre Kunden über weitere Preiserhöhungen informiert hätten. Demnach sollen DRAM-Vertragspreise im dritten Quartal um 20 bis 30 Prozent steigen. Bei NAND Flash ist sogar von 35 bis 40 Prozent die Rede. Wccftech griff die Meldung ebenfalls auf. Es handelt sich dabei nicht um eine offizielle Marktprognose aller Hersteller, sondern um eine berichtete Einschätzung aus dem Modulherstellerumfeld.

Die genannten Größenordnungen sind deutlich. Während TrendForce zuletzt eine etwas moderatere Entwicklung bei konventionellem DRAM und NAND erwartet hatte, klingt ADATA wesentlich härter. Das muss kein direkter Widerspruch sein, weil unterschiedliche Segmente, Vertragsarten und Zeitpunkte betrachtet werden können. Trotzdem zeigt die ADATA-Aussage, wie angespannt die Lage im Einkauf bleibt. ADATA ist als Modul- und SSD-Anbieter besonders nah an dieser Preisrealität. Das Unternehmen kauft DRAM- und NAND-Chips ein, verarbeitet sie zu RAM-Modulen, SSDs und Speicherkarten und muss steigende Einkaufskosten entweder schlucken oder weitergeben. Genau deshalb sind Aussagen aus diesem Umfeld für den Endkundenmarkt relevant.
| Segment | Berichtete ADATA-Einschätzung Q3 2026 |
|---|---|
| DRAM-Vertragspreise | +20 bis +30 Prozent |
| NAND-Flash-Vertragspreise | +35 bis +40 Prozent |
| Haupttreiber | AI-Nachfrage, knappe Kapazität, Serverfokus |
| Betroffene Produkte | RAM-Kits, SSDs, Speichermodule, OEM-Systeme |
| Status | Berichtete Aussage, keine einheitliche Herstellerprognose |
Der Grund bleibt der gleiche, nur wird er nicht schöner: AI-Systeme ziehen Speicher- und Storage-Kapazität in enorme Mengen. HBM, Server-DRAM, Enterprise-SSDs und Datacenter-NAND sind für Hersteller attraktiver als billige Consumer-Komponenten. Wo die Margen höher sind und große Kunden langfristige Verträge abschließen, fließt bevorzugt die Produktion hin. Das wirkt sich indirekt auf normale Käufer aus. RAM-Kits für Desktop-PCs, SSDs für Notebooks und Speicher in Komplettsystemen konkurrieren nicht immer direkt mit AI-Hardware, aber sie hängen an denselben Fertigungskapazitäten, Waferstarts und Lieferketten. Wenn Hersteller Kapazität umlenken, wird der Consumer-Markt enger versorgt.
Der NAND-Anstieg von 35 bis 40 Prozent wäre besonders relevant für SSDs. Controller, PCB und Gehäuse spielen zwar ebenfalls eine Rolle, aber NAND ist der zentrale Kostenblock. Wenn NAND-Vertragspreise deutlich steigen, geraten SSD-Hersteller schnell unter Druck. Das betrifft vor allem große Kapazitäten, bei denen der NAND-Anteil am Endpreis besonders hoch ist. Für Käufer heißt das: Die Zeit extrem günstiger 2-TB- und 4-TB-SSDs könnte vorerst vorbei sein. Im Enterprise-Bereich lassen sich höhere Preise durch AI- und Servernachfrage eher durchsetzen. Im Consumer-Bereich führt das eher zu kleineren Aktionen, höheren Durchschnittspreisen oder langsameren Kapazitäts-Upgrades.
Bei DRAM ist die Lage ähnlich. DDR5 bleibt gefragt, Server-DRAM und HBM binden Ressourcen, und ältere Standards wie DDR4 erleben in bestimmten Märkten sogar wieder Nachfrage. Wenn ADATA von 20 bis 30 Prozent höheren DRAM-Vertragspreisen spricht, betrifft das nicht nur Enthusiasten-RAM. Auch Notebooks, Mini-PCs und OEM-Systeme werden teurer kalkuliert. Besonders unangenehm ist, dass Speicherpreise oft verzögert im Markt ankommen. Händlerbestände können kurzfristig abfedern, aber wenn neue Ware teurer eingekauft wird, zieht der Straßenpreis nach. Wer auf eine schnelle Rückkehr zu früheren Tiefstständen wartet, dürfte also weiter Geduld brauchen.
Fazit
Die ADATA-Warnung ist keine schöne Nachricht, aber sie passt leider zum aktuellen Marktbild. AI-Hardware frisst Kapazität, Hersteller priorisieren margenstarke Segmente, und Consumer-Produkte bekommen die Kostenwelle später auf die Rechnung. Ob DRAM am Ende exakt 30 Prozent und NAND exakt 40 Prozent zulegt, wird vom Segment abhängen. Die Richtung ist jedoch klar genug: Speicher bleibt teuer. Für PC-Bauer ist das bitter, für Speicherhersteller dagegen fast schon ein Luxusproblem mit Ansage.
| Quelle | Kurzaussage | Verifizierter Link |
|---|---|---|
| TrendForce | Berichtet unter Berufung auf ADATA-Chairman Simon Chen über Q3-Preiserhöhungen von 20 bis 30 Prozent bei DRAM und 35 bis 40 Prozent bei NAND Flash. | Meldung |
| Wccftech | Greift die ADATA-Aussage auf und ordnet sie im Kontext steigender DRAM- und NAND-Preise ein. | Bericht |
| Shanghai Metals Market | Bestätigt die berichteten Größenordnungen von 20 bis 30 Prozent bei DRAM und 35 bis 40 Prozent bei NAND Flash. | Bericht |




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